Wie mich das Reisen verändert hat – Eine Verwandlung

Silvia im Sonnenuntergang

Ich gehöre zu denen, die erst angefangen haben zu reisen, als sie schon erwachsen waren. Den Strandurlaub in den Sommerferien gab es nicht und so richtig war das Reisen früher auch noch kein Wunsch von mir. Als ich dann mit 24 das erste Mal und komplett in Eigenregie im Urlaub war, hat sich für mich eine komplett neue Welt eröffnet. Ich habe meine Ansichten umgeworfen und noch einmal neu lernen müssen, was mir eigentlich wichtig ist.

Sabine von Ferngeweht hatte die tolle Idee, eine Blogparade zum Thema “Wie mich das Reisen verändert hat” gestartet. Ich bin da absolut gerne dabei, eben weil das Reisen auf mich einen so großen Einfluss hatte, wie keine andere Sache bisher. Ich bin von der Stubenhockerin zur Abenteurerin geworden, habe mir neue Lebensziele in den Kopf gesetzt und vor allem meine berufliche Laufbahn umgeworfen.

Kreativität, Arbeit und Daheim-Sein

Bei mir gab es den gemeinsamen Familienurlaub in den Sommerferien nicht. Meine Eltern waren nicht so scharf drauf, weg zu fahren und eine üppige Urlaubskasse gab es nicht so wirklich. Also blieb ich in den Ferien einfach daheim. Damals habe ich noch unheimlich viel gelesen, gezeichnet und PC-Spiele gezockt. Ich wollte unbedingt Geschichten erzählen und habe dann auch mal angefangen, einige Fantasy-Kurzgeschichten zu schreiben.

So wirklich verreist bin ich während meiner Schulzeit so gut wie nicht.. Nur mal eine Woche nach London oder eine Woche nach Berlin als Klassenfahrt, mehr war da aber nicht. Damals wollte ich das auch nicht. In meinem kleinen Kosmos existierten vor allem Fantasy-Stories, Kunst und Games.

Zeichnen

Mein Blick auf die Karriere

Ich habe Medieninformatik studiert und wollte schon immer im 3D-Bereich arbeiten. Da braucht man ein gutes Portfolio, um sich bewerben zu können. Deswegen war es mir in diesem Lebensabschnitt besonders wichtig, so gut wie möglich zu werden. Nach dem Studium hatte ich einen Job in München und als ich meine erste “echte” Arbeitserfahrung sammeln durfte, hat mein Weltbild auch schon angefangen zu bröckeln.

Ich habe gelernt, dass die 3D-Industrie so gut wie gar nichts mit Kreativität oder dem “Sich selbst verwirklichen” zu tun hat. Abarbeiten, Druck, Überstunden ohne Ende und Null Wertschätzung waren an der Tagesordnung. Ich habe den Job gewechselt, aber da war es wieder das Gleiche und ich dachte lange Zeit, dass es an mir lag. Dass es schon Spaß machen wird, wenn ich erst einmal gut genug bin. Immer noch keine Zeit zum Reisen, wenigstens wäre mittlerweile etwas Geld da gewesen.

Ein langer WEg Reisen verändert

Wie meine Veränderung begann

Dann habe ich meinen Freund Thomas kennen gelernt. Er erzählte mir von seinen Reisen und unter anderem auch davon, dass er schon mal ein Jahr lang unterwegs war und von München aus nach China geradelt ist. Echt jetzt? Als ich das gehört hatte, wollte ich es erst nicht glauben. Wer radelt denn schon weiter, als bis zum nächsten Supermarkt? Auf jeden Fall haben seine Geschichten meine Reisewut entflammt und ich dachte mir, warum ich das nicht auch endlich mal probiere.

Mein lange gehegtes Traumziel war Sizilien. Ich hatte früher Romane gelesen, die auf Sizilien spielten und habe mir die ganzen alten Gebäude und die trockene Landschaft traumhaft vorgestellt. Also habe ich einen Flug nach Palermo gebucht und war dann ach schon kurz darauf unterwegs.

Mein erster Urlaub war also eine Solo-Reise an einen Ort, den ich schon lange sehnsüchtig im Kopf hatte, aber nie wirklich die Initiative ergriffen habe. Ich wollte mir selbst beweisen, dass ich alleine verreisen kann und das auch komplett auf mich alleine gestellt hin bekomme. Und es war eine wertvolle Lektion für mich!

Leihrad in SIlilien Reisen verändert

Was alles nur schief gehen kann

Die Reise alleine war nicht nur eine persönliche Herausforderung, es ging auch noch einiges schön schief. Meinen Koffer hatte ich voll bepackt mit allem, was man so zum Urlauben braucht. Nur zu dumm, dass er nicht in Palermo ankam … Ich bin damals mit Vueling geflogen und würde es nie wieder machen. Ich war 8 Tage dort und am 7. Tag kam mein Koffer endlich an.

Da ich nicht auf so eine Verspätung eingestellt war und ich sowieso keine Ahnung vom Reisen hatte, waren mein Handyladekabel und meine Kontaktlinsenflüssigkeit im Koffer und so habe ich abends noch schnell nachgeschaut, was Kontaktlinsen auf Italienisch heißt und habe Leute gefragt, wo ich sowas kaufen kann. In einer Apotheke bin ich dann fündig geworden und als nächstes stand das Ladekabel auf der Liste.

Das konnte ich bei einem kleinen und heruntergekommenen Laden am Bahnhof kaufen. Ich war also erst einmal versorgt. Im Hotel wurde ich freundlich vom Personal und dem Hotel-Kater empfangen, da war mein Ärger schon verflogen.

Dann zwei Tage später das nächste Unglück: Mein neues Handy fiel vom Nachtkästchen und das Display war gesplittert. Toll. Das hat mich zwar geärgert, aber ich wollte ja Abenteuer erleben. Als ich einer Freundin von diesem Ärgernis erzählte, meinte sie, wie furchtbar es sein muss, wenn man alleine verreist. Ich war ein bisschen perplex, weil so etwas ja auch passieren kann, wenn jemand dabei ist und ich ja trotzdem noch vieles erleben konnte.

Wie eine echte Abenteurerin habe ich erst einmal eine kurze Hose, ein zweites Shirt und ein bisschen Unterwäsche gekauft und die getragenen Sachen am Waschbecken gewaschen. So bin ich eine ganze Woche mit nur zwei Shirts ausgekommen, meinen Koffer mit den anderen Sachen hatte ich ja nicht. Auch wenn meine Reise nach Sizilien nicht ganz reibungslos ablief, eines war sie auf jeden Fall: Ein richtig tolles Erlebnis, das mir beigebracht hat, dass ich gar nicht so unendlich viele Klamotten brauche, sondern auch so überleben kann und dass ich es auch kann, alleine unterwegs zu sein und dabei noch tolle Sachen erlebe.

Reisen verändert Sonnenblume im Herbst

Wie das Reisen meine komplette Sicht auf die Dinge verändert hat

Die Idee unserer Radreise

Meine Reise nach Sizilien hat sozusagen den Stein in’s Rollen gebracht. Richtig viel verändert hat sich aber bei meiner zweimonatigen Radtour mit meinem Freund Thomas nach Spanien. Wir waren zwei volle Monate von München nach Spanien unterwegs und sind die nicht ganz 3.000 Km komplett mit dem Rad gefahren.

Zu diesem Zeitpunkt kam mir das ganz merkwürdig vor, so weit mit dem Rad zu fahren. Ich hatte ja nicht einmal mehrtägige Touren unternommen und Zelten war ich ewig nicht mehr. Aber gleichzeitig war da dieser Reiz. Ich wollte mir selbst beweisen, dass ich so eine weite Strecke auch zurück legen kann. Es ging zwar jetzt nicht darum, besonders sportliche Ziele zu haben, aber es war ja doch etwas komplett Neues für mich. Außerdem fand ich die Idee spannend, nur mit dem Nötigsten unterwegs zu sein und langsam zu reisen.

Ich hatte im der Planungsphase immer wieder Anflüge von Panik, aber ich wusste gleichzeitig: Das hier war wirklich wichtig. Also habe ich meinen Chef gefragt, ob ich ein Sabbatical einlegen könnte, um zwei Monate frei zu haben und war überrascht, dass der einfach “ja, klar” gesagt hat.

Hatte ich doch noch tausend Gründe gefunden, warum ich nicht in der Arbeit fehlen wollte, war ich echt baff, dass es dann auf einmal doch kein Problem war.

Silvia und Thomas

Der Aufbruch

Unsere Reise war langsam, ruhig und vor allem einfach. Aufstehen, Zelt abbauen, Brot mit Marmelade frühstücken, dann auf das Rad. Irgendwann essen wir dann Brot mit Käse zu Mittag und Abends gibt es meistens Nudeln mit Soße. Zelt aufbauen und schlafen gehen. Kein sinnloses Internet-Surfen oder Kopf zerbrechen über irgendwelche Projekte in der Arbeit. Nur die Straße, unsere Räder und wir.

Die Reise verlief echt reibungsloser als gedacht. Alles lief nach Plan und als wir schließlich in Tarifa, unserem Zielort im Süden Spaniens, angekommen sind, konnte ich kaum glauben, dass es schon vorbei war. Ein bisschen Vorfreude hatte ich ja schon darauf, wieder daheim zu sein, aber eines hat mir kein Bisschen gefehlt: Meine Arbeit.

Rückkehr

Ich war ja auch vor der Reise nicht glücklich mit meinem Job, habe dann kurz danach gekündigt und festgestellt, dass es in der nächsten Firma wieder genau das Gleiche war.

Was hat sich verändert?

  • Irgendwann habe ich dann nebenbei meinen Blog angefangen und bin auf das Thema Suchmaschinenoptimierung (SEO) gestoßen. Das hat mich dann so gepackt, dass ich meine Position als 3D-Artist aufgegeben habe und dieses Jahr ein Traineeship im SEO-Bereich anfange. Ein beruflicher Neuanfang.

  • Ich liebe es, draußen zu sein. Bewegung macht mir Spaß und ich bin gerne in den Bergen oder mit dem Rad unterwegs. Seit unserer Reise bin ich viel öfter draußen unterwegs.

  • Ich verbringe immer noch viel Zeit vor dem PC, vor allem auch wegen meinem Blog. Mittlerweile habe ich aber das Gefühl, meine Zeit mit sinnvolleren Dingen zu füllen, als nur rum zu surfen.

  • Ich will reisen! Ich will raus! Unterwegs sein, Orte sehen, Dinge erleben, Menschen kennen lernen. Ich habe das Gefühl, dass meine isolierte Weltanschauung komplett über den Haufen geworfen wurde. Das war und ist immer noch eine total unbequeme Phase und viel Arbeit, aber mittlerweile weiß ich, was mir wirklich wichtig ist.

Radreise Spanien

Meine nächsten Ziele

Ich habe mir für dieses Jahr einige tolle Dinge vorgenommen, die einerseits zwar viel Arbeit sein werden, von denen ich mir aber jetzt schon sicher bin, dass es toll wird.

  • Ich habe mir vorgenommen, noch viel mehr draußen zu unternehmen. Klettersteig, Kanu fahren, eine Trekking-Tour. Das und noch viel mehr möchte ich dieses Jahr erleben und meine Erfahrungen natürlich mit euch teilen.

  • Ich möchte weiterhin verreisen. Für’s Erste möchte ich mich Zielen in Europa widmen. Mein großer Traum ist immer noch, einmal nach Asien zu reisen und ich möchte unbedingt Südamerika erkunden. Das muss aber erst einmal warten, bleibt aber auf meiner Liste ganz oben.

  • Ich möchte Spaß an meinem Job haben. Klingt vielleicht banal, aber ich habe keine Lust mehr, in ausbeuterischen Verhältnissen zu arbeiten. Respekt ist mir wichtig und ich möchte auf mich selbst und die Menschen um mich herum achten. Durch die Stelle im SEO-Bereich hoffe ich, ein cooles Team gefunden zu haben, mit dem die Arbeit Spaß macht.

  • Ich möchte Abenteuerzeilen wachsen sehen. Mittlerweile ist ein ganzes Jahr vergangen, seitdem ich mit Abenteuerzeilen begonnen habe. Ich habe den ersten Bloggeburtstag zwar nicht wirklich gefeiert, aber trotzdem ist es etwas Besonderes. Damals habe ich noch gesagt: Ich probiere das mal ein Jahr aus, ob es mir überhaupt gefällt. Heute weiß ich: Ich muss weiter machen. Ich WILL weiter machen. Danke, dass ihr mir bis hier gefolgt seid und dass es immer wieder tolle Momente gab, die mich total gepusht haben! 🙂

Ein Weg in die Zukunft

Was ich euch mitgeben möchte

Wenn ihr die Möglichkeit habt, dann nutzt sie um zu verreisen. Ich wünsche mir manchmal, dass ich auch gerne ein Auslandssemester gemacht hätte, war aber zu schüchtern, um es wirklich durch zu ziehen. Als ich dann gearbeitet habe, hat es ganze zwei Jahre gedauert, bis mir die Idee gekommen ist, dass ich verreisen könnte. Und wenn ich ganz ehrlich sein soll, ist mir das auch nur gedämmert, weil ich meinen Freund kennen gelernt habe, der mich total dazu inspiriert hat.

Man braucht nicht sooo viel Geld, um zu verreisen, sondern nur ein bisschen Mut und manchmal einen kleinen Schubs. Aber so oder so, es lohnt sich immens. Bei mir hat sich so viel verändert, ich wüsste nicht, wie ich sonst auf die Idee einer derartigen Kehrtwende gekommen wäre. Traut euch.

Outdoor Abenteuer

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10 Kommentare bei „Wie mich das Reisen verändert hat – Eine Verwandlung“

  1. Richtig schön geschrieben, liebe Silvia. Glaube, Du bist auf einem ganz tollen Weg, und erkenne auch ganz viele Gemeinsamkeiten!
    Und als angehende SEO Managerin frage ich Dich jetzt schon, ob ich Deine Testschülerin sein darf? 😂😂😂
    Soooo ein komplexes Thema!

    Ganz liebe Grüße,
    Sabrina

    1. Liebe Sabrina,
      viiiieeeelen Dank für deinen lieben Kommentar!! 🙂 Ich habe total Lust, mich mit dir noch mehr auszutauschen, ich sehe da auch einige Gemeinsamkeiten, was ich so aus deinen Posts rauslesen kann! 😀
      Bis ich mal so weit bin, anderen Tipps zu geben, dauert es noch laaaaaange. Das Thema ist so vielschichtig, aber total spannend! 🙂
      Liebe Grüße
      Silvia

  2. Toll – einfach toll! Du hast dich ja komplett verändert zu deiner Jugendzeit! Einfach wow. Ich finde, der Artikel macht allen Mut, die vielleicht auch noch auf der Bude hocken und das Leben noch nicht gelebt haben. Hurray!!

    1. Danke für deine lieben Worte, Sarah!! 🙂
      Ich freue mich, wenn ich den ein oder anderen inspirieren kann 🙂
      Liebe Grüße
      Silvia

  3. Das ist ja eine tolle Wandlung! Schön, dass Dich das Reisen so sehr inspiriert hat. Und danke für die Teilnahme an meiner Blogparade!

    1. Sehr gerne, das war aber auch ein tolles Thema für die Blogparade! 🙂

  4. Liebe Silvia,
    schön, dass du deine Erfahrungen mit der Welt teilst. Solche Beiträge finde ich sehr wichtig, da es da draußen viele Menschen gibt, denen es genau so geht, wie es dir gegangen ist. Mich hat das Reisen auch sehr verändert. Man wird viel selbständiger und lernt viele Dinge, die für die Meisten selbstverständlich sind, zu schätzen. Der Horizont erweitert sich und es öffnen sich viele neue Türen und Wege.
    Auf einmal sieht man die Welt ganz anders und es entstehen Wünsche, die man sich vorher gar nicht ausdenken hätte können.
    Ich selbst wohne seit einem Jahr in Asien, auf der Insel Penang in Malaysia. Mein Mann hat hier ein Jobangebot für 3 Jahre bekommen und wir haben uns gemeinsam für dieses Abenteuer entschieden. Das hätte ich mir vor zwei oder drei Jahren noch gar nicht vorstellen können.
    Vor einem halben Jahr haben wir auch angefangen einen Blog zu schreiben, um unsere Eindrücke, unsere Erfahrung und unsere Gefühle mit der Welt zu teilen. Das ist auch für mich ein schöner Weg, Anderen die Augen zu öffnen oder sie zu inspirieren.
    Schau doch mal auch auf meinem Blog vorbei, wenn du Lust hast.
    Liebe Grüße Christina von fernschmecker.blog

    1. Vielen Dank für deinen tollen Kommentar, liebe Christina!! 🙂 Es hat mich zwar ein bisschen Überwindung gekostet, aber da ich selbst auch gerne solche Beiträge lese, wollte ich auch mal meine Erfahrungen teilen. 🙂
      Ich finde es cool, dass du dich auf das Malaysia-Abenteuer eingelassen hast. Manchmal kommt es doch ganz unverhofft und dann ist man froh, dass man es gewagt hat.
      Liebe Grüße
      Silvia

  5. Liebe Silvia, schön, dass du aufs Reisen gekommen bist! Willkommen im Club. 🙂 Es hinterlässt ja schon Spuren! Alles Liebe, Laura.

    1. Es hinterlässt absolut spuren und in meinem Fall bin ich auch froh drum 🙂 LG Silvia

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