Insel-Urlaub auf Madeira – von Regenbögen und Maracujas

Die Portugiesische Insel Madeira wird auch oft als „Blumeninsel“ bezeichnet. Durch das ganzjährig milde Klima und die Auswahl an tropischen Früchten bekommt man den Eindruck, in einem kleinen Paradies gelandet zu sein. Die Artenvielfalt von Flora und Fauna und die spektakuläre Landschaft lädt besonders Outdoor-Enthusiasten ein. Für Wanderer bieten die offenen Bewässerungsanlagen, auch „Levadas“ genannt, viele Wege, die von einfachen Spaziergängen bis zu anspruchsvollen Wanderungen reichen.

Wer hoch hinaus möchte, kann auch den mit 1862m höchsten Berg von Madeira besteigen. Besonders im Winter sollte man aber eines immer parat haben: Die Regenjacke. Das Wetter schlägt sehr schnell um, so kann man sich einer spontanen Dusche sicher sein. Wenn euch das nichts ausmacht und ihr auch ein bisschen das Abenteuer und natürlich gutes Essen sucht, seid ihr auf Madeira richtig.

Wir freuen uns besonders darauf, dem Schnee für eine Woche zu entkommen. Die Vorstellung von sattem Grün und vor allem den ganzen Schlemmereien lässt das Herz höher schlagen. Die doch recht tropische Insel bildet genau den Gegensatz zum deutschen Winter, den wir brauchen!

Windiges Paradies im Winter

Wir besuchen Madeira in der ersten Februarwoche. Von München aus kann man innerhalb von knapp vier Stunden den Insel-eigenen Flughafen direkt ansteuern. Die Temperaturen an der Küste liegen bei angenehmen 15-18 Grad. Das ändert sich jedoch schnell, wenn man in das Landesinnere vordringt. Die Vulkaninsel besitzt steile Hänge und Klippen und so sinken die Temperaturen schnell, je weiter man in das Gebirge vordringt. So kann es schnell vorkommen, dass in der Hauptstadt Funchal noch 17 Grad herrschen, im Gebirge aber nur noch 4 Grad. Angemessene Ausrüstung wie festes Schuhwerk, ein dicker Pulli oder ein Vlies und eine Regenjacke sind also Pflicht.

Das Netz der Levadas, das sich über ganz Madeira spannt, ist bereits im Mittelalter errichtet worden. Es soll das Wasser vom Regenreichen Norden in den Süden transportieren, wo Zuckerrohr und Bananen angebaut werden. Entlang dieser Levadas führen kleine Wege, die heute Wanderern offen stehen. Erreichen kann man die meisten davon per Bus – die Insel verfügt über ein breit gefächertes Busnetz – oder auch per Mietwagen. Manche der Ausgangspunkte, wie beispielsweise der Parkplatz für die Besteigung des Pico Ruivo müssen mit dem Auto oder einem Taxi angesteuert werden.

Unsere Reise nach Madeira umfasst Wanderungen bei Wind und Regen, Erkundungen der Insel mit einem Mietwagen und natürlich allerlei kulinarische Leckerbissen, die es hier zu finden gibt. Letztes Jahr waren wir eine Woche auf Gran Canaria, um etwas Licht in den Winter zu bringen. Madeira liegt ein wenig nördlicher und man kann davon ausgehen, dass es hier nicht ganz so warm ist. Stimmt das und kann man’s trotzdem hier aushalten? Wir beginnen im kleinen Umkreis und erkunden zunächst Funchal.

Funchal – Hauptstadt mit Knoblauch und Abgasen

Angekommen am Flughafen von Madeira geht es gleich mit dem stündlich verkehrenden „Aerobus“ in die Hauptstadt Funchal. Alle wichtigen Sehenswürdigkeiten der Stadt befinden sich relativ zentral, weswegen man alles Fußläufig erreichen kann. Hotels im Zentrum gibt es sehr preisgünstig. Unser Doppelzimmer mit eigenem Bad kostet 25€ die Nacht, ist relativ klein und die Toilette befindet sich direkt hinter dem Bett, nur mit einer Schiebetür abgetrennt. Nicht unbedingt Luxuriös, aber ok. Das Gebäude samt Einrichtung ist wie vieles auf Madeira recht alt, aber immerhin gibt es kein Ungeziefer und es ist generell sauber.

Die Stadterkundung kann also beginnen! Die Häuser sind eng aneinander gebaut, kleine Gassen mit einigen Blumentöpfen und Cafés laden zum flanieren ein. Genauso altbacken wie der größte Teil der Gebäude sind auch die Busse, die hier eingesetzt werden. Man fühlt sich in einen alten Film hinein versetzt, in dem die alten Fahrzeuge qualmend durch die engen Straßen knattern. Ganz ohne ist das nicht – die rollenden Riesen verpesten auch ordentlich die Luft.

Egal wohin man sich in der Stadt bewegt, es scheint häufig nach Abgasen zu riechen. Dazu wird häufig auch aus jeder Ecke der Duft vom „Bolo do Caco“, dem auf Madeira typischen Brot mit Knoblauchbutter angeweht. Diese beiden Gerüche, die Abgase und der würzige Duft von Knoblauch sind allgegenwärtig und haben sich mir deswegen auch eingeprägt.

Blumen in Funchal

Schiff Nachbau von Christopher Columbus in Funchal

Wenige Sehenswürdigkeiten, aber viele Eindrücke

Die Stadt Funchal hat an Sehenswürdigkeiten wenig zu bieten. Es gibt eine Kathedrale im spätgotischen Stil. Diese hat man schnell besichtigt und dann war’s das auch schon, was man in Funchal an hervorstechenden Orten findet. Fußallfans können natürlich noch das Museum besuchen, das Cristiano Ronaldo gewidmet worden ist. Wir können uns nicht für Fußball begeistern und belassen es also bei den allgemeinen Sehenswürdigkeiten. Nichts desto trotz fand ich die ruhige Atmosphäre in den Gassen und besonders am Hafen cool.

Die Madeirer sind gelassen und verweilen auch gerne mal an der Strandpromenade. In der Ferne ragen die Kreuzfahrtschiffe empor und der Hafen ist gesäumt mit Touristen-Lokalen. Man findet aber auch unzählige Bars und Restaurants, in denen vor allem die Einheimischen sitzen. Zwischen den Häusern und an den Straßen befindet sich ein ganzjähriges Blütenmeer und die Bewohner auf der ganzen Insel scheinen Wert darauf zu legen, ihre Hauseingänge mit unzähligen Topfpflanzen zu schmücken.

Wir haben für den Aufenthalt ein Hotel in Funchal gebucht, da wir von dort aus am einfachsten mit den Bussen in andere Städte fahren können. An drei Tagen mieten wir ein Auto, um auf eigene Faust Madeira zu erkunden.

Der Markt in Funchal – Eine geschickte Abzocke für Touris

Da ich ein absoluter Fan von Fisch und Fischtheken bin, besuchen wir natürlich die Markthalle in Funchal. Hier werden im Erdgeschoss alle möglichen Arten von Obst und Gemüse der heimischen Bauern angeboten. Weiter unten gibt es jede Menge Fleisch und Fisch. Hier liegen auch die schwarzen Degenfische aus, Salzgeruch liegt in der Luft. Nach einem kurzen Rundgang wollen wir noch in den ersten Stock.

Herrlich frisches Obst wird hier präsentiert. Ehe wir es uns versehen, werden wir bereits von jemanden angesprochen, der uns fragt, ob wir probieren wollen. Unser standardmäßiges „Nein“ wird durch mehrere Nachfragen aufgeweicht. Probieren kostet ja nichts. Und tatsächlich sind wir überrascht, was für Arten von Obst es hier gibt. Wir bekommen kleine Kostproben von verschiedenen Maracujas, den Madeira-Bananen und auch von einer Cherimoya, auch Zuckerapfel genannt. Sehr süß und fruchtig und dann auch noch so schön angerichtet – da sollten wir doch noch etwas für später kaufen.

Das Highlight der Verkostung war die Frucht der „Monstera“, zu deutsch „Fensterblatt“. Diese sieht aus wie ein grüner Maiskolben und wenn man die Schale vorsichtig ablöst, kommen im inneren kleine Kerne mit Fruchtfleisch zum Vorschein. Dieses schmeckt nach einer Mischung aus Banane und Ananas, ein absolutes Geschmackserlebnis. Für später wollen wir ein bisschen Obst mitnehmen und unsere Euphorie bekommt sofort einen herben Dämpfer. Eine Frucht kostet gute 6€. Die Masche besteht daraus, dass die Mitarbeiter alles schnell abwiegen und man durch den Trubel drum herum abgelenkt wird.

So süß die Obst-Vorführung auch angefangen hat, so bitter fühlt sie sich nun an. Wir werfen nochmal einen Blick auf die kleinen Schildchen mit den Kilopreisen … 25€ pro Kilo. Alles Klar. Die obere Etage besteht nur aus solchen Touri-Fängern und obwohl wir uns als Immun gegen so etwas gefühlt haben, sind wir doch stehen geblieben. Zum probieren kann man schon mal einen von diesen grünen Monstera-Kolben mitnehmen, einen Großeinkauf an Obst sollte man aber woanders tätigen. Wenn ihr empfindlich auf Oxalsäure reagiert, ist hier aber Vorsicht geboten! Die Frucht der Monstera hat viel davon, was ein pelziges Gefühl im Mund hinterlässt, geschmacklich aber trotzdem top!

Im Internet finden wir heraus, dass die erste Etage schon seit längerem nur für die Touristen präsentiert wird, während sich die „richtigen“ Verkäufer und Bauern im Erdgeschoss aufhalten. Eine interessante Erfahrung, die uns gezeigt hat, dass wir trotz Immunität gegen Touri-Fänger auch mal stehen bleiben.

Obst auf dem Markt in Madeira

Kräuter auf dem Markt in Madeira

Levada-Wanderungen mit Wetterumschwüngen

Die ersten Sonnenstrahlen scheinen viel versprechend zum Fenster herein, als wir uns am zweiten Tag zu unserer ersten Levada-Wanderung aufmachen. Ziel ist eine Levada im Gebirge, die man mit dem Bus gut erreichen kann. Da wir aber zu lange unterwegs wären, um den letzten Bus zurück zu erwischen, vermeiden wir Rundwege und setzen uns stattdessen ein anderes Ziel.

Wir nehmen den Bus nach Ribeiro Frio. Von dort aus wollen wir erst zum Aussichtspunkt Vereda dos Balcões und danach nach Portela wandern. Nah an den steilen Klippen kann man ab und zu auch einen Blick in die nebelverhangenen Täler erhaschen.

Bereits noch während der Anreise fängt es an stark zu regnen und neblig zu werden. Kein Problem, denken wir. Ein bisschen Abenteuer schadet nicht und jetzt sind wir schon mal unterwegs. Wir folgen zuerst dem Wanderweg PR11, der uns zu Vereda dos Balcões führt. Nach ca. einer halben Stunde erreichen wir diesen beliebten Aussichtspunkt. Von hier aus hat man eine wunderbare Sicht in die angrenzenden Täler. Dichte Wolken hängen an den Bergkämmen und der Wind bläst uns um die Ohren. Der Ausblick ist trotz des schlechten Wetters beeindruckend und es fühlt sich herrlich an, hier zu stehen und die Natur so nah und ungefiltert zu erleben.

Levada Wanderung auf Madeira

Levada Wanderung auf Madeira im Wald

Nebel und Abenteuer-Feeling pur

Es geht den selben Weg zurück, den wir gekommen sind und dann weiter auf der PR10 nach Portela. Hier führt der Weg an der Levada entlang. Grundsätzlich ist er einfach begehbar, der viele Regen hat den Untergrund jedoch aufgeweicht und es haben sich teilweise große Pfützen gebildet. Im Vergleich zur Küste ist es hier auch deutlich kühler und wir sind froh, dass wir unser Vlies und die Regenjacke angezogen haben. Die Tour nach Portela ist mit ca. 3-4 Stunden ausgeschrieben und die brauchen wir auch. Immer wieder hereinbrechende Sturmböen und Regenschauer begleiten uns auf unserem Weg. Ein großer Vorteil: Wegen dem schlechten Wetter ist fast niemand unterwegs. Nur zwei Mal kommen uns andere Wanderer entgegen, überholt werden wir von niemanden.

Auf diesem Weg hat man leider keine allzu gute Sicht, der Nebel ist dicht und somit kann man nicht wirklich weit in die Ferne sehen. Da wir direkt am Fels gehen, macht uns das nichts aus und hier sind wir auch ein wenig geschützt vor dem Wetter. Meine Kamera kann ich wegen der Nässe leider nicht auspacken, also muss das Handy herhalten.

Das Highlight ist die Überquerung eines kleinen Flusses. Ein breiterer Wasserfall versperrt den Weg und ergießt sich in einen seichten Fluss. Mit etwas Vorsicht und Feingefühl ist es uns möglich, diesen auf den Felsen, die hier und da heraus ragen, zu überqueren. Thomas geht voran und mir wird schon ein bisschen bange, im Wasser will ich natürlich nicht landen. Ohne nass zu werden komme ich auch hinüber und weiter geht’s!

Endlich in Portela angekommen, wärmen wir uns mit einer „Acorda“ wieder auf. Diese traditionelle Suppe enthält reichlich Knoblauch, Brot, Bohnenkraut und ein paar Scheiben „Chorizo“. Zurück geht es mit dem Bus und im Hotel hilft uns die heiße Dusche dabei, die Kälte gänzlich wieder aus den Knochen zu waschen.

Nebel über Madeira

Exotische Leckerbissen – Degenfisch mit Banane und Maracuja

So groß der Wucher auf dem Markt in Funchal auch ist, bekommt man doch einen Eindruck davon was auf der Insel angebaut wird. Hier sei erwähnt, dass nicht alles aus der Touri-Sektion heimisch war. Mangos beispielsweise werden aus Brasilien importiert und dann neben den einheimischen Früchten ausgelegt.

Was man allerdings auch in angebauter Form finden kann sind die Bananen. Diese werden gegrillt mit einem panierten Degenfisch serviert. Was merkwürdig klingt, passt aber erstaunlich gut zusammen! Manche Lokale haben den Degenfisch zusammen mit Banane und Maracujasoße auf der Karte, was ein ganz besonderes Schmankerl ist. Fisch gibt es natürlich reichlich, genauso wie Napfschnecken und so manch anderes Meeres-Getier.

Ein weiteres Traditionsgericht ist der „Espetada“, ein Fleischspieß am Lorbeer-Stock. Dieser wird ähnlich wie ein Steak gegrillt und zusammen mit Salat und gekochtem Gemüse serviert. Das Fleisch schmeckt absolut zart und saftig, das gekochte Gemüse ist aber in allen Lokalen, in denen wir waren, nur leicht gesalzen und schmeckt ansonsten nach nicht viel. Hier lohnt es sich, als Beilage „Milho Frito“, frittierte Mais-Polenta oder Kartoffeln zu nehmen. Es gibt auch Süßkartoffeln, die haben wir allerdings nicht probiert.

Degenfisch mit Banane

Malerischer Küstenausflug nach Câmara de Lobos

Die beschauliche Stadt Câmara de Lobos liegt nur einen Steinwurf von Funchal entfernt. Innerhalb von 20 Minuten erreicht man sie entspannt mit dem Bus. Dieser lässt uns an einer Scharfen Kurve ein Stück vor dem Städtchen aussteigen. Zuerst sind wir überrascht, weil wir eigentlich dachten, eine Station weiter aussteigen zu müssen. Zu Fuß geht es aber weiter auf einer wunderschönen Promenade mit wunderbarem Blick über die Küste und die steil aufragenden Klippen.

Die Stadt gilt als der älteste Fischerort von Madeira und hat Bekanntheit erreicht, weil Winston Churchill ihn auf einem Gemälde verewigt hatte. Na gut, das klingt jetzt nicht unbedingt spannend, allerdings gibt es hier jede Menge frischen Fisch, den wir uns nicht entgehen lassen wollen.

Câmara de Lobos ist auch die Heimat der Nikitas, einem traditionellen Getränk, das angeblich vor allem bei Frauen große Beliebtheit findet. Es wird gemischt aus Bier, Vanilleeis und Ananas. Ich finde das eher abschreckend, weswegen ich die gar nicht erst probieren möchte. Das Strandbecken ist gefüllt mit farbenfrohen Fischerbooten und in den Strandbars herrscht bereits am frühen Nachmittag ein reges Treiben. Nachdem wir noch etwas am steinigen Strand verweilen, nehmen wir den Bus zurück nach Funchal. Länger als einen halben Tag müssen wir uns hier dann doch nicht aufhalten.

camara de Lobos mit Promenade

Mit dem Mietwagen Madeira erkunden

Die nächsten drei Tage haben wir ein Mietauto, mit dem wir Madeira in mehreren Tagestrips erkunden wollen. Wir beginnen im Südwesten und arbeiten uns in den Norden vor. Erstes Ziel ist Cabo Girão. Hier ist eine Glasterrasse in den Fels gelassen, von der aus man einen Blick auf die mit ca. 560 Metern höchste Steilklippe der Europäischen Union erhaschen kann. Dieser Ort soll auch als Startpunkt für Paraglider beliebt sein, wir haben während unseres Aufenthaltes aber keine gesehen.

Weiter geht es nach Porto Moniz im Nord-Westen. In diesem Städtchen haben früher Wal- und Fischfang geblüht, heute wird stattdessen hauptsächlich Wein angebaut und mit Tourismus Geld gemacht. Im Hafen von Porto Moniz gibt es die sogenannten „Piscina naturais“, das sind natürlich entstandene Felsbecken, in denen im Sommer gebadet werden kann. Das Wasser da drin ist ruhig und erweckt dadurch einen surrealen Eindruck. Brandungswellen schwappen ab und an über die Felsen und wühlen das Wasser wieder auf. Wie schön es doch wäre, sich im Sommer das Meerwasser in den Nacken sprühen zu lassen. Momentan ist es dafür viel zu kalt.

Nicht weit entfernt liegt Ribeira da Janela. Dieses Dorf beherbergt natürliche Steinformationen, die an der Küste steil empor ragen. Sehenswert sind diese beim Vorbeifahren allemal, speziell deswegen würde ich aber nicht hinfahren. Von diesem Ort aus lassen sich auch ein paar Levada-Wanderungen ansteuern, so könnte man einen Besuch gut verbinden oder einfach (so wie wir das gemacht haben) bei einer Tour mit dem Auto kurz anhalten.

Am Nächsten Tag soll es zum Pico Ruivo gehen. Von einem Parkplatz aus kann man innerhalb von einer Stunde den Gipfel erreichen. Da sich tagsüber allerdings die Nebelschwaden sammeln, die die Sicht versperren, müssen wir möglichst früh aufbrechen. Den Besuch auf den Pico hatte ich vorab schon als mein Reise-Highlight festgelegt. Ich habe es mir unglaublich vorgestellt, über diesen steilen hängen zu spazieren. Vor allem da ich bisher noch nie auf einem Berggipfel war. Das sollte aber leider nicht so weit kommen …

 Porto Moniz

Janela Felsen

 

Nächtliche Gefahren im Hotel

In der Nacht herrscht helle Aufregung: Wir werden von lauten und hektischen Stimmen im Treppenhaus geweckt. Jemand aus dem Zimmer unter uns brüllt den Nachtwächter des Hotels an und wir hören immer wieder das Wort „Fire“. Alarmiert werfen wir einen Blick in den Flur und hier steht bereits der Rauch, der die Sicht fast unmöglich macht und einem den Atem abschnürt. Wir packen schnell unsere wichtigsten Sachen und stürmen hinab zur Rezeption. Hier stellt sich heraus, dass die Lampe im Zimmer unter uns ein Feuer verursacht hat.

Der Gast in dem Raum hat geistesgegenwärtig reagiert und den Brand sofort gelöscht, ehe er sich ausbreiten konnte. Er redet immer noch auf den Nachtwächter ein, den die Situation kalt lässt. Nach ein paar Minuten kommen Polizisten und Feuerwehrmänner. Passiert ist glücklicherweise niemandem etwas, obwohl das auch sehr schnell hätte anders ausgehen können. Das Gebäude ist alt, hat sehr enge Treppen und einen Feuermelder haben wir keinen gehört.

Noch in der selben Nacht nehmen wir unseren Koffer und ziehen in ein nahegelegenes Hotel um. Die Nacht kostet hier 35€ und wir bekommen dafür ein Doppelzimmer mit Bad, das insgesamt deutlich größer und besser in Schuss ist als unser altes Hotel. Von diesem haben wir aber das Geld für die Nächte, in denen wir nicht dort geschlafen hatten, erstattet bekommen.

Pico Ruivo und Alternative Ponta de São Lourenço

Unser Plan zum Pico zu fahren bleibt beim Alten. Uns ist empfohlen worden, dass man den Gipfel noch vor 11 erreichen sollte, weswegen wir um 7 Uhr los fahren. Während der Fahrt nieselt es beständig und man kann den Temperaturen förmlich beim Fallen zusehen. So hat es in Funchal noch 10 Grad, wird es schnell kühl, je höher man sich empor kämpft. Die Straßen sind steil und kurvig, unser Wagen kann die Steigungen nur im zweiten Gang bezwingen. Ich hoffe nur, dass uns kein Bus entgegenkommt und komme jedes Mal ein wenig ins Schwitzen, wenn uns dann doch ein anderes Fahrzeug begegnet.

Bald zeigt das Thermometer auch schon 0 Grad an und wir fragen uns allmählich, wie kalt es wohl auf der Spitze sein wird. Es beginnt zu schneien und ab einem gewissen Punkt ist die Straße vereist. Mit unseren Sommerreifen ist es schwierig, da hoch zu kommen. Wie sollte erst der Rückweg werden? Wir wollen den Pico unbedingt besuchen, das Eis lässt uns aber an diesem Punkt abbrechen. Vorsichtig drehen wir um, da uns die steile und spiegelglatte Straße, die vor uns liegt, zu gefährlich wird.

Ein bisschen enttäuscht überlegen wir, wo wir stattdessen hinfahren könnten. Als Alternative steuern wir Ponta de São Lourenço im Osten an. Diese schmale Halbinsel zieht sich 4 Km in den Ozean hinein. Sie besteht überwiegend aus Vulkan- und Kalkgestein, ist mit Gras überzogen und ansonsten nur spärlich bewachsen. Die Klippen und Felsformationen zeigen hier markant in den Himmel. An einigen Stellen kann man die raue See beobachten, die wütend gegen die Felsen schlägt, während man sich gegen die starken Winde stemmt. Die Wege sind gut ausgebaut, einige Stufen führen die Hügel empor und fordern eine gute Kondition. Besonders der Wind macht es einem an manchen Stellen nicht leicht, wir müssen aufpassen, nicht zu stolpern.

ponto de sao lourenco klippe

ponto de sao lourenco meer

ponto de sao lourenco regenbogen

Paul da Serra – Hochebene im Nebel

Der letzte Trip mit dem Auto geht nach Paul da Serra. Dabei handelt es sich um eine Hochebene in 1400 Metern Höhe im Zentrum von Madeira. Das Wetter hat sich in den letzten Tagen geringfügig verschlechtert und so ist es sehr nebelig auf der Ebene. Zusammen mit den spärlichen Gräsern, dem allgegenwärtigen Regen und den großen Pfützen wird schnell klar, warum es auf portugiesisch „Gebirgsmoor“ heißt. Zurück fahren wir über die Westküste und steuern Achadas da Cruz an.

Hier gibt es eine kleine Seilbahn, mit der man für 3 Euro hin und zurück direkt zum Meer hinunter fahren kann. Das Ganze fährt beunruhigend nahe an den Felsen im oberen Bereich entlang, offenbart aber wunderschöne Ausblicke. Unten gibt es eine überschaubare Zahl an kleinen Gartenanlagen, in denen Gemüse von Einheimischen angebaut wird. Wir bekommen vom Betreiber der Seilbahn eine Hand voll Mandarinen geschenkt, die er selber geerntet hat und vertreten uns die Beine, ehe wir wieder nach oben fahren.

Als nächstes geht es nach Ponta do Pargo. Der Leuchtturm hier wird als sehenswert angepriesen, ich persönlich fand ihn allerdings wenig beachtenswert im Vergleich zur Aussicht. Die Klippen und Kakteen sind schön anzuschauen, allmählich haben wir uns aber an der Landschaft auch schon satt gesehen. Auf dem Rückweg legen wir einen Zwischenstopp in Jardim do Mar ein. In den Malerischen Gässchen kann man verweilen und die Ruhe genießen. Danach geht es auch schon wieder zurück und das war es auch mit unserer Mietauto-Tour.

Achadas da cruz

Tropischer Garten

Am Letzten Tag unseres Aufenthalts besuchen wir den tropischen Garten in Funchal. Immer wieder ein Erlebnis sind die Busfahrten auf Madeira. Sicher und doch wackelig bahnen sich die qualmenden Giganten ihren Weg durch die engen Kurven und schmalen Straßen. Ein Wunder, dass es nicht öfter kracht. Der Tropische Garten schlägt mit 12,50€ Eintritt nicht schlecht zu Buche. Dabei wird auf der Eintrittskarte ein „Wine Tasting“ als gratis angeboten. Das kann man im Bistro des Gartens einnehmen.

Der Garten erzählt auf bildliche Weise anhand von einigen Keramik-Fliesen die Geschichte Portugals und vereint fernöstliche mit europäischen Einflüssen. Hier kann man Geschichten über die Abenteuer der Portugiesen in Japan lesen, ein paar Terrakotta-Krieger bestaunen und sich an der üppigen Vegetation erfreuen. Es ist allerdings auch sehr windig und fängt immer wieder an in Schüben zu regnen, was die Verweildauer etwas verkürzt.

Im Bistro bekommen wir unser „Wine Tasting“. Ein kleines Gläschen gefüllt mit Madeira-Wein, das man an der Selbstbedienungstheke abholen kann. Entweder in Weiß oder als Dessert-Wein. Für jeden Besucher gibt es nur ein Stamperl. Wir trinken den Tropfen und machen uns auf den Rückweg. Der Garten ist zwar etwas überteuert, allerdings macht es die Liebe zum Detail und die Vielfalt an Pflanzen wieder wett. Hier finden wir auch das Fensterblatt, das wir auf dem Markt in Funchal gekauft haben. Die Pflanze trägt sogar kleine, noch unreife Früchte.

Traditionelle Korbschlitten und Touri-Magnet

Gleich in der Nähe des Gartens befindet sich der Punkt, von dem aus man mit den bekannten Korbschlitten in das Tal fahren kann. Diese Schlitten bildeten ab Mitte des 19. Jahrhunderts das erste öffentliche Verkehrsmittel von Madeira, da es die Fortbewegung der in Monte lebenden Menschen vereinfachen sollte. Heute kann man die ca. 2 Km lange fahrt für 15€ erleben oder für knapp 8€ einfach die Seilbahn nach Funchal nehmen. Wir fahren wieder mit dem Bus in die Stadt und müssen so nur 2€ pro Person bezahlen. Abenteuerlich ist die Fahrt wie immer allemal.

Mit dem tropischen Garten schließen wir unsere Reise nach Madeira ab und machen uns an den Rückflug.

Fazit

Madeira eignet sich hervorragend für Outdoor-Enthusiasten. Kunst und Kultur lassen sich zwar auch finden, jedoch ist das beeindruckendste die Natur auf dieser Insel. Wer diese erleben möchte, sollte unbedingt eine Regenjacke, etwas zum Drunterziehen und feste Schuhe einpacken. Man darf sich nicht vom schwankenden Wetter entmutigen lassen, die plötzlichen Regenfälle kann man ruhig zum Abenteuer-Feeling zählen. Generell kann man Madeira das ganze Jahr über besuchen, da es (an der Küste) oftmals mindestens 15 Grad hat.

Wer auf der Suche nach einem Badeurlaub ist, dem wird der Wind häufig einen Strich durch die Rechnung machen. Die Brandungen sind häufig sehr wild und Sandstrände gibt es auch nur wenige kleine. In den Sommermonaten sollte das Wetter etwas beständiger sein, die Niederschläge gehen zumindest zurück. Für uns im winterlich-tristen Deutschland war es eine Erfrischung, im Februar nach Madeira zu reisen. Durch die Wanderungen und die Erkundungen hat man auch das nötige Abenteuer-Feeling bekommen.

Wer also gerne draußen unterwegs ist und, keine gemütlichen Strandliegen braucht und schwankendes Wetter einstecken kann, der wird einige Wunder auf Madeira erleben. Ich fand es wunderbar abwechslungsreich und kann es jedem nur ans Herz legen, der oben genannte Punkte beachten möchte.

Schreibe einen Kommentar

*

Ich stimme zu