Das Café am Rande der Welt – Buch-Rezension

Das Café am Rande der Welt Titelbild

Früher habe ich vor allem Fantasy-Bücher verschlungen, war in einem Buchclub, in dem man Romane schon vor Erscheinen durch schmökern konnte und habe eine Rezension nach der anderen geschrieben. Über die Jahre hinweg ist meine Begeisterung für Fantasy etwas zurückgegangen – ich habe das Gefühl, schon zu oft immer wieder die gleiche Story gelesen zu haben. Seit der Radreise nach Spanien 2017 mache ich mir vermehrt Gedanken darüber, was in diesem Leben eigentlich wichtig ist und womit die wertvolle Zeit eher verschwendet wird. Das Café am Rande der Welt von John Strelecky ist für mich eine total neue Erfahrung.

Rahmendaten zum Buch:

Autor: John Strelecky

Titel: Das Café am Rande der Welt

Untertitel: Eine Erzählung über den Sinn des Lebens

Seitenzahl: 126

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Dieses Buch beschäftigt sich im Plauderton mit dem Sinn des Lebens, hebt kein bisschen ab und wirft zeigt mir gleichzeitig brutal ehrlich, dass ich mich gedanklich in der selben Situation befinde wie der Protagonist John. Normalerweise schreibe ich auf meinem Blog über Abenteuer. Dieses Buch darf meiner Meinung nach aber nicht fehlen, da unser Leben ja auch ein riesiges Abenteuer ist und da es mein Mindset grundsätzlich verändert hat. Wenn ihr eine Reiselektüre sucht oder einfach ein gutes Buch lesen wollt, dann seid ihr hier richtig!

Darum geht’s in der Rezension:

Gestrandet im Café am Rande der Welt

John ist nach einer langen und anstrengenden Arbeitswoche mit dem Auto auf dem Weg in den Urlaub. Es soll eine entspannende Auszeit werden, in der er seine Batterien wieder aufladen und danach in der Arbeit gleich wieder durchstarten kann. Der Verkehr steht jedoch und es geht nur stockend vorwärts. Letztendlich kommt er von der Route ab und verfährt sich. Ganz toll! Mit nur noch wenig Benzin im Tank beschließt er, Halt in einem Café zu machen, an dem er vorbei kommt. Dass es sich dabei um ein ganz besonderes Café handelt, weiß er noch nicht.

Drinnen angekommen wirkt alles auf den ersten Blick normal: Andere Kunden sind da, eine Bedienung gibt es auch und die Speisekarte lockt mit allerlei Leckereien. Bei einem genaueren Blick auf die Karte wird John jedoch stutzig.

  • Warum bist du hier?
  • Hast du Angst vor dem Tod?
  • Führst du ein erfülltes Leben?

Ok, was haben diese Fragen in einem Café zu suchen? Mit fast leerem Tank und einer Menge Dampf im Kopf ist John an diesem Ort gestrandet. Ein abgeschiedener Ort – fast so, als wenn es ihn gar nicht geben würde. Aber vielleicht war genau das nötig, damit er sich mit den Dingen auseinandersetzt, die ihm im Leben wichtig sind.

Freddy mit Buch

Das Wichtige im Leben finden

Durch die Nacht hinweg führt er einige anregende Gespräche mit anderen Gästen, der Bedienung und dem Inhaber des Cafés. Für ihn ist das der erste Schritt, um die Fragen auf der Karte überhaupt zu verstehen. Dabei kann er sich glücklich schätzen, denn viele Menschen wissen nicht, warum sie hier sind und finden es auch ihr Leben lang nicht heraus.

Eigentlich hat John alles, was man im Allgemeinen als ein gutes Leben ansieht: Eine gute Position in einem gut bezahlten Job, seinen Jahresurlaub, den er zum Reisen nutzt und dennoch ist er nicht glücklich. Woran könnte das liegen? Vielleicht macht er jede Menge Dinge, die nicht seinem Zweck der Existenz (ZDE) entsprechen. Dieser Begriff taucht oft im Café am Rande der Welt auf gemeinsam mit John wird der Leser dazu angeregt, sich Gedanken über den eigenen ZDE zu machen. Jeder hat täglich die gleiche Anzahl an Stunden zur Verfügung und jeder hat es selbst in der Hand, diese Zeit mit Dingen zu füllen, die ihn glücklich machen und mit denen man näher an seinen ZDE heran kommt.

Im Laufe der Geschichte werden die obigen Fragen bodenständig und schlüssig durchgegangen. In vielen Beschreibungen habe ich mich selbst wieder gefunden und ich hatte häufig das Gefühl, gerade etwas wichtiges zu lernen. Eine kleine Geschichte aus dem Buch kennt vielleicht schon der ein oder andere von euch, aber ich möchte sie hier gerne nochmal auffangen.

Die Geschichte vom Fischer, der alles hat

Ein Geschäftsmann bemerkt im Urlaub einen Fischer, der stets glücklich zu sein scheint. Er fragt den Fischer, wieso er einen so glücklichen Eindruck macht. Dieser antwortet ihm, dass er täglich zum Fischen hinaus fährt, etwas Zeit mit seiner Familie verbringt und das war’s. Das macht ihn glücklich.

Der Geschäftsmann schlägt vor, dass er ja auch richtig viel Geld verdienen könnte, wenn er mehr Fische fangen würde, als die, die er und seine Familie zum Leben brauchen. Wenn er nur hart genug arbeiten würde, könnte er ein riesiges Fischerei-Unternehmen aufbauen und dann reich in den Ruhestand gehen. Mit einem schmunzeln fragt der Fischer, was er denn im Ruhestand machen solle, wenn er nach der harten Arbeit endlich Zeit finden würde. Etwa jeden Tag ein bisschen Fischen und dann mit seiner Familie Zeit verbringen?

Aus dieser Sichtweise klingt es total unsinnig, wenn wir uns Tag für Tag für etwas abschuften, das uns nicht glücklich macht. Warum sollten wir mit den Dingen, die uns wichtig sind warten, bis wir endlich im Ruhestand sind? Vor allem wenn wir dann schon alt und gebrechlich sein werden …

Die Geschichte mit dem Fischer ist nicht alles, was im Café am Rande der Welt dargelegt wird, als wäre es das einfachste auf der Welt, glücklich zu sein. Nach einem langen Abend voller bereichernder Gespräche verlässt John das Café wieder und macht sich auf in ein neues und komplett umgekrempeltes Leben.

Meine Meinung zum Buch

Zugegeben, manche Aspekte, die hier beschrieben werden, klingen viel zu einfach, als dass man sie im echten Leben ohne Probleme umsetzen könnte. Jedoch glaube ich gleichzeitig auch, dass das der Punkt ist, an dem mich das Buch haben möchte: Ist es wirklich so schwierig umzusetzen oder erzähle ich mir diese Ausrede nur selbst? Sicherlich teils, teils. Mein Mindset zu überdenken, würde ja eine Veränderung bedeuten und vor Veränderungen haben wir Menschen natürlicherweise eine Grundangst. Das Café am Rande der Welt zeigt, dass auch kleine Änderungen schon mal ein Anfang sein können.

Ich sage mir aber: Wenn es nur eine Kleinigkeit ist, die ich ändern kann, wieso sollte ich es nicht machen? Wieso sollte ich Angst davor haben, dass ein Vorhaben, das mich glücklich macht, scheitern könnte? Sollte ich fünf Jahre lang lieber etwas machen, das mich nicht glücklich macht, nur um die Sicherheit zu haben, dass andere dann zufrieden sind, weil ich Erwartungen erfülle? Als die Idee zur zweimonatigen Radreise nach Spanien aufkam, habe ich auch lange überlegt, ob ich das wirklich machen sollte. Ich dachte mir dann: Wenn ich statt der Zeit, die ich auf Reisen bin, einfach in der Arbeit einsitze, was habe ich dann davon, wenn ich zurück blicke? Möchte ich mich lieber an dieses Erlebnis oder auf zwei Monate über-stressigen Büro-Alltag erinnern? Die Antwort, was besser ist, sollte sich erübrigen und heute bin ich wahnsinnig froh, etwas Mut in die Hand genommen und mich auf den Sattel geschwungen zu haben.

Das Café am Rande der Welt Titelbild

Zweck der Existenz: Esoterik oder doch was dran?

Was kann ich machen um meinem ZDE näher zu kommen? Ich finde, es klingt etwas esoterisch, wenn man von einem “Zweck der Existenz” spricht. Vielleicht kann man es auch so bezeichnen, dass es Dinge gibt, die einem mehr oder weniger gut liegen. Die Dinge, die uns mehr liegen, machen uns glücklich und somit bringen sie uns auch näher an ein erfülltes Leben. Das kann man dann durchaus mit dem ZDE gleichsetzen, wenn man diese Formulierung bevorzugt.

Ich gebe zu, ich habe mich ziemlich wachgerüttelt gefühlt, nachdem ich dieses Buch gelesen hatte. So wie jemand, der merkt, dass es mehr in diesem Leben geben muss, als nur zu arbeiten und nur die Dinge zu tun, die von uns verlangt werden, jedoch nicht die Dinge, die uns wirklich bewegen. Und warum sollten wir dann den Großteil unserer Stunden mit Dingen verbringen, die uns gar nichts geben?

Mit diesen Denkansätzen könnt ihr Mut fassen, neue Dinge auszuprobieren. Vielleicht ist ja etwas dabei, das euch glücklicher macht. Jede Erfahrung macht reicher und selbst wenn es mal nicht so passt, hat man auch das dazu gelernt. John lernt im Café am Rande der Welt, dass es noch auf mehr ankommt, als sein Leben um einen Job herum aufzubauen, der ihn nicht glücklich macht.

Fazit

Ich kann dieses Buch wirklich jedem empfehlen, der sich momentan etwas unruhig, ein bisschen deplatziert oder noch nicht angekommen fühlt. Wenn ihr offen für Veränderungen oder zumindest an neuen Denkansätzen interessiert seid, dann solltet ihr euch das Café am Rande der Welt* auf jeden Fall mal anschauen. Mir hat es sehr viel gebracht und ich möchte das gerne mit anderen teilen.

Ohne zu spoilern: John Streleky hat noch eine Reihe weiterer Bücher verfasst, durch die ich mich nach und nach durch arbeite. Im Nachfolger dieses Buches Wiedersehen im Café am Rande der Welt* werden die “Big Five for Live” beschrieben. Hierbei handelt es sich um fünf Dinge, die man im Leben unbedingt gemacht haben möchte.

Sie werden als Ansatz gesehen, um den ZDE zu erreichen. Hat man diese fünf großen Dinge erledigt, kann man sagen, dass man ein erfolgreiches Leben geführt hat. Erfolg bedeutet hierbei nicht, eine glatte Karriere hinzulegen und massenhaft Geld zu scheffeln. Vielmehr bedeutet Erfolg, Dinge erlebt zu haben, die einem gut liegen und einem glücklich machen. Das kann zum Beispiel eine Weltreise sein, ein Jahr im Ausland zu leben, einen Studienabschluss zu erreichen, andere Menschen zu bewegen. Die Big five sind komplett individuell, immerhin muss es etwas sein, das euch glücklich macht und das euch wichtig ist. Dieses Buch knüpft an das Café am Rande der Welt an und ist auch sehr lesenswert.

Kennt ihr noch tolle Bücher, die sich mit einem ähnlichen Thema beschäftigen und die ihr empfehlen könnt? Ich bin stets auf der Suche und freue mich über Anregungen. Wenn ihr was habt, lasst doch gerne einen Kommentar da! 🙂

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