5 Auszeit-Ideen für das Sabbatjahr

Straße zum Sabbatical

Nachdem ich im letzten Beitrag erklärt habe, was ein Sabbatical ist und wie man es in Anspruch nehmen kann, geht es heute weiter mit ein paar Auszeit-Ideen, wie ihr euer Sabbatjahr verbringen könnt. Von Reisen über persönliche Projekte oder einfach mal ein Leben in einer Selbstversorgerhütte ist alles drin – ihr entscheidet wonach ihr euch in eurer Auszeit am meisten sehnt!

Ein Sabbatjahr oder Sabbatical bietet viel freie Zeit. Je nachdem, ob man sich entscheidet, die Auszeit einen Monat oder doch ein ganzes Jahr dauern zu lassen. Da diese Zeit sinnvoll investiert sein möchte, sollte man sich im Vorfeld gut überlegen, was man während des Sabbaticals machen möchte. Die Möglichkeiten sind vielfältig. Das Wichtigste ist, dass ihr etwas findet, was zu euch passt und bei dem ihr euch bereichert fühlt. Klar kann man auch während der Zeit einfach daheim hocken und “Nichts” machen, aber wer schon einmal eine Zeit lang arbeitslos war, auf den Studienbeginn gewartet hat oder ähnliche “Stillstand-Phasen” im Leben hatte, merkt schnell, dass es schon nach kurzer Zeit langweilig wird und man langfristig gesehen nichts davon hat. Hier also meine Ideen, wie man ein Sabbatjahr verbringen kann.

Inhalt

Die Angst vor der Auszeit im Sabbatical

Viele Menschen haben Bedenken, ein Sabbatical zu machen. Man ist dann so lange vom Job weg, verliert vielleicht den Anschluss und hat es nach der Auszeit schwer, wieder rein zu kommen. All das können Ängste sein, die euch im Kopf herum geistern, wenn ihr in Erwägung zieht, ein Sabbatical zu beantragen. Diese Sorgen sind ganz natürlich, immerhin wagt ihr euch einen riesigen Schritt aus der Komfort-Zone hinaus und da ist es ganz normal, dass man sich Gedanken macht.

Gleich vorneweg: Was kann denn passieren, wenn ihr wieder in die Arbeit einsteigt? Es kann gut sein, dass ihr Schwierigkeiten haben werdet, euch wieder an die teilweise starren Strukturen im Job zu gewöhnen. Vor allem, wenn ihr sowieso nicht richtig glücklich im Job seid. Das sollte euch aber auf keinen Fall abschrecken, vielleicht eröffnet es euch neue Möglichkeiten, an die ihr bisher noch  nicht gedacht habt? Meiner Meinung nach ist eine Auszeit vom Job sehr wichtig, um den Kopf wieder frei zu bekommen und seine eigenen Bedürfnisse zu sortieren und zu priorisieren. Immerhin ist jeder sein eigener Herr und nicht das Eigentum eines Unternehmens, für das man sich aufarbeitet und da ist es wichtig, dass man das nicht vergisst.

Nehmt eure Angst zur Kenntnis! Als ich mit meinem Freund Thomas zu unserer Radreise nach Spanien aufgebrochen bin, hatte ich auch mächtig Bammel! Für mich war diese Reise etwas Außergewöhnliches, das ich noch nie zuvor erlebt habe. Wie sollte man da auch anders können, als Angst davor zu haben? Meine Anregung: Wenn ich das nicht mache, werde ich mich nur daran erinnern können, wie ich nur am Schreibtisch saß. Eine ziemlich langweilige Vorstellung, deswegen wollte ich die Erfahrung einer Radreise auf keinen Fall verpassen!

Holzsteg in der Gleirschklamm

Idee für ein Sabbatjahr Nr. 1: Persönliche Projekte

Ihr fühlt euch von eurem bisherigen Job nicht erfüllt und überlegt, euch umzuorientieren? Wenn ihr euch im Vorfeld schon informiert habt, was euch liegt und bereits erste Kenntnisse aufgebaut habt, dann könnt ihr das Sabbatjahr auch dazu nutzen, beispielsweise ein Protfolio aufzubauen oder euch tiefer in die Materie vor zu arbeiten. Eines solltet ihr dabei aber haben: Einen Plan.

Wer die Zeit Zuhause verbringt, kann schnell in einen Sumpf geraten und macht am Ende dann nichts mehr für das Projekt. Da wäre es schade um die Zeit.

Ein anderes persönliches Projekt kann auch die Umgestaltung des Gartens sein. Wenn euch eure Pflanzen am Herzen liegen und ihr davon träumt, euch hier richtig auszutoben, dann kann eine längere Freie Zeit auch dafür geeignet sein.

Idee für ein Sabbatjahr Nr. 2: Leben auf der Alm

Auch auf einer Alm kann man ein Sabbatical oder eher den Almsommer verbringen. Hier kann man zwar nicht einfach anklopfen und sagen: “Hier bin ich, liebe Alm”, sondern man muss im Vorfeld mit den Besitzern in Kontakt treten und mit etwas Glück kann man dann den Almsommer in den Bergen verbringen.

Besonders Reizvoll daran ist, dass man wirklich minimalistisch lebt während der Zeit. Es gibt oft kein fließendes Wasser, eingeheizt wird mit Holz und man kümmert sich um alles selber: Kühe pflegen und melken, Käse, Butter und Brot herstellen und ab und zu auch Wanderer verpflegen.

Wem die Reizüberflutung in den Städten zu viel ist, hat hier die Möglichkeit, ein zurückgezogenes Leben zu führen und damit seine Sinne wieder zu stärken. Kenntnisse, wie man eine Kuh richtig behandelt, sollten natürlich vorhanden sein. Richtig tolle Eindrücke, wie das Leben auf der Alm sein kann, findet ihr auf dem Almsommer-Blog.

Kuh im Wald in der Gleirschklamm

Idee für ein Sabbatjahr Nr. 2: Volunteering

Das Volunteering ist eine großartige Möglichkeit, wenn ihr euch sozial engagieren möchtet. Ihr könnt sowohl hier in Deutschland ehrenamtlich tätig sein, aber euch auch im Ausland engagieren. Hier gilt es jedoch, Vorsicht walten zu lassen. Viele der “Voluntourism”-Agenturen, die wohltätige Reisen in ärmere Länder anbieten, helfen den Menschen gar nicht. Diese Reisen kosten meistens mehrere Tausend Euro, die direkt an die Agentur gehen, die Einheimischen bekommen davon (wenn überhaupt) nur einen winzigen Anteil und letztendlich dienen diese Angebote nur dazu, dass man sich selbst einreden kann, dass man für viel Geld etwas gutes tut.

Informiert euch am besten ganz genau über die Angebote, die ihr findet, wenn ihr euch für das Volunteering interessiert. Es sollte ja nicht ein aufregender Urlaub mit sozialer Note für euch sein, sondern den Menschen auch wirklich helfen. Ich würde generell die Finger von Angeboten mit Kindern lassen, wenn diese  nicht wirklich seriös wirken.

Idee für ein Sabbatjahr Nr. 3: WWOOFing

Eine weitere Möglichkeit, sich zu engagieren ist das WWOOFing. WWOOF steht dabei für “World-Wide Opportunities on organic farms” und hieß ursprünglich Working Weekends on Organic Farms. Da sich das Konzept weltweit ausbreitete und die verbrachte Zeit häufig länger ist als nur ein Wochenende, wurde die Organisation schließlich umbenannt. Das Konzept dahinter sieht vor, dass man auf Bio-Bauernhöfen arbeitet und dafür gratis eine Unterkunft und Verpflegung bekommt.

Das klingt nach einem coolen Konzept und so kann man auch die Einheimischen besser und intensiver kennen lernen. Man kann allerdings nicht genau absehen, wie der Ort an dem man landet, dann aussieht. Gibt es nur ein Plumpsklo und sind Woofer überhaupt willkommen oder nur billige Arbeitskräfte, die ausgebeutet werden? Dazu kann man im Vorfeld bei den potenziellen Gastgebern vorfühlen, letztendliche Gewissheit bekommt man erst, wenn man vor Ort ist. Lest euch im Vorfeld einige Bewertungen durch, um euch ein Bild davon zu machen. Einen Eindruck vom Woofen in Chile bekommt ihr auf dem Blog Auslandszeit.de.

Straße zum Sabbatjahr

Idee für ein Sabbatjahr Nr. 4: Eine spirituelle Auszeit im Kloster

Wer sich nach Ruhe und einer kleinen Gemeinschaft sehnt, der kann überlegen, ein Sabbatjahr in einem Kloster zu machen. Viele Klöster haben ihre Türen für Interessierte geöffnet und bieten Aufenthalte, die von einem Wochenende, bis hin zu mehreren Monaten dauern können. Für die längere Auszeit sollte man aber schon ein paar Mal bei dem Kloster der Wahl vorbei geschaut haben, um festzustellen, ob die Chemie mit der Gemeinschaft auch passt.

Hierbei ist es auch oft zweitrangig, ob man selbst gläubig ist oder nicht. Ein Problem mit religiösen Praktiken sollte man natürlich nicht haben, auch wenn es einem häufig freigestellt ist, daran teilzunehmen. Der Vorteil an einem Kloster ist auch ähnlich wie bei der Alm, dass man eine konkrete Aufgabe hat. Äußeren Reizen kann man größtenteils fern bleiben. Klar gibt es mittlerweile auch Fernseh-Räume in einigen Klöstern, aber es ist dennoch ein sehr unterschiedliches Leben, im Vergleich zu “draußen”. Hier gibt es mehr Infos zur Auszeit im Kloster.

Idee für ein Sabbatjahr Nr. 5: Reisen, Reisen, Reisen

Bei einem Sabbatjahr denkt man am Häufigsten erst einmal eines: Das Reisen! Reisen können so unterschiedlich sein wie die Personen, die sie bestreiten. Deswegen solltet ihr euch überlegen, welche Art zu reisen für euch die Richtige ist. Ich finde jedoch, dass man hier dann “richtig” reisen und sich nicht in eine Touri-Burg einschließen sollte. Viel mehr hat man davon, wenn man sich auf seine Umgebung einlässt und auch etwas macht, das einem aus der Komfort-Zone heraus bringt.

Raeder Radtour nach Spanien

Radtour nach Spanien

Während meines Sabbaticals war ich mit meinem Freund Thomas auf einer Radreise von München nach Spanien (Teil 1, Teil 2, Teil 3) unterwegs. Das waren fast 3.000 Km und noch vor der Reise war ich eigentlich ein Fahrrad-Muffel und hatte keine Ahnung, ob ich das überhaupt schaffe. Was hat es mir gebracht? Es war aufregend, etwas unbekanntes auszuprobieren und ich bin mit eine veränderten Denkweise wieder zurück gekehrt. Mir fällt es seitdem etwas schwer, “typisch deutsche” Eigenschaften leben zu können. Ich fühle mich enorm bereichert und bin der Meinung, dass ich nichts Besseres hätte machen können. Für mich war es ein großer Schritt aus der Komfort-Zone hinaus, der mir gezeigt hat, dass ich mehr kann, als ich denke und mich schließlich auch zu diesem Blog inspiriert hat.

Roadtrip durch Amerika

Manche Reisen brauchen einfach Zeit, vor allem wenn man größere Strecken zurück legen möchte. Sarah von lonelyroadlover hat 2017 einen viermonatigen Roadtrip durch die USA unternommen. Sie war alleine unterwegs und konnte dadurch über sich hinaus wachsen. Diese Reise hat sie auch nicht unverändert überstanden. Der Weg zurück in den “klassischen” Job ist ihr schwer gefallen, aber sie hat schließlich die Selbstständigkeit für sich entdeckt und damit auch ein Konzept, das zu ihr passt.

Wenn man sich auf längere Reisen begibt, dann läuft man Gefahr, dass man nach der Rückkehr merkt, dass man sich verändert hat. Es fällt einem schwer, wieder in die alten Bahnen einzusteigen. Da kommt man zurück und man zweifelt alte Gewohnheiten an. Was ist es noch wert, Überstunden zu schieben, jeden Tag eine Stunde oder mehr im überfüllten Bus zu verbringen? Vielleicht gibt einem die bisherige Arbeit nicht mehr das, was sie einmal konnte.

Natürlich gibt es auch die Möglichkeit, während eines Sabbatjahres eine Weltreise zu machen, quer durch Südamerika zu trampen, zu Fuß zum Nordkap zu gehen und und und. Ich habe euch in diesem Beitrag ein paar Beispiele aufgelistet, worauf ihr schließlich Lust habt, entscheidet ihr selbst. Jedoch ist hier Vorsicht geboten: Wenn man erst mal lange genug weg war, dann kann es schwer fallen, wieder in das alte Umfeld einzusteigen.

Auszeit und Entspannung durch ein Sabbatical - Sonnenuntergang hinter Bergen

Nach der Auszeit: Die Rückkehr

Wenn man diese Erkenntnis gewonnen hat, wird es erst einmal unbequem. Man fühlt, irgendetwas passt nicht und man möchte was ändern. Bis man dann weiß, was man ändern könnte und man das schließlich auch umsetzt, vergeht nochmal eine Weile. Das Wichtigste darf man aber nicht vergessen: Auch wenn es unbequem ist und an allen Ecken und Enden kneift, ist es ein wichtiger Prozess, der uns dem näher bringt, was wir uns wünschen. Einen emotionalen Beitrag darüber, wie eine Rückkehr sein kann, findet ihr auch auf Sarah’s Blog lonelyroadlover.

Fazit

Die Möglichkeiten, wie man sein Sabbatjahr verbringen kann, sind vielfältig. Macht euch darüber Gedanken, wie ihr die Zeit für euch am besten nutzen könnt. Dann ab zum Chef, um die Sabbajahr-Pläne mit ihm zu besprechen. Wichtig dabei ist, dass ihr euch den Ruck gebt, nachzufragen. Natürlich zerbricht man sich den Kopf darüber und denkt, dass er sowieso nicht zustimmen wird. Vielleicht könnt ihr euch ja auf eine Überraschung freuen.

Hattet ihr schon ein Sabbatjahr hinter euch oder plant, eines in Angriff zu nehmen? Dann lasst es mich gerne in den Kommentaren wissen, ich freue mich über Anregungen! 🙂

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