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Nachhaltige Outdoor-Bekleidung: Regenjacken & Co. erkennen und richtig auswählen

Von Silvia
Silvia mit Regenjacke

Anzeige | Nachhaltigkeit und Outdoor gehört auf den ersten Blick eng zusammen: Wir sind so gerne in der Natur unterwegs, da möchten wir sie natürlich auch schützen. Nur leider ist es oft unsere Outdoor-Bekleidung, die so gar nicht ins Konzept passen mag: Kunstfasern, die sich nicht recyceln lassen und umweltschädliche Chemikalien trüben das Bild der Naturverbundenheit. In diesem Beitrag zeige ich euch, was ihr beim Kauf von nachhaltiger Outdoor-Bekleidung beachten müsst und welche Marken nachhaltig produzieren.

Die Schwierigkeit bei der Auswahl von Outdoor-Bekleidung

Stellt euch vor, ihr geht zum nächsten Sportausstatter und möchtet eine Regenjacke kaufen, die ihr für längere Wanderungen und euch bei stärkerem Regen schützt. Die Regale sind voll mit verschiedenen Modellen der unterschiedlichsten Hersteller und ihr müsst erst einmal versuchen, einen Überblick zu bekommen.

Wenn es euch so ähnlich geht wie mir, dann werdet ihr eine Ewigkeit damit verbringen, verschiedene Modelle zu vergleichen. Dabei ist es schon schwierig genug, bei der Wassersäule, dem Obermaterial, der Membran und was es sonst noch alles gibt, den Durchblick zu behalten. Wie findet ihr noch dazu eine Jacke, die gute Spezifikationen mitbringt und gleichzeitig nachhaltig produziert wird?

Was ist an Outdoor-Jacken eigentlich problematisch?

Vor allem Outdoor-Jacken schützen wunderbar vor Nässe und Wind und sind größtenteils sogar komplett wasserdicht. Doch was sich gut bei Wind und Wetter anfühlt, ist oftmals schlecht für die Natur. Die meisten Funktionsmaterialien bestehen aus per- und polyfluorierten Chemikalien, kurz PFC. Der Einfachheit halber bleiben wir in diesem Artikel bei der Kurzform PFC. Diese Verbindung verleiht den Funktionsstoffen zwar ihre gleichzeitig wasserabweisende und atmungsaktive Eigenschaft, doch gelangen schädliche Stoffe davon sowohl bei der Produktion als auch beim Waschen zu Hause in unsere Umwelt.

Nachhaltige Regenjacke

Bei einer Wanderung auf Madeira sind wir ganz schön nass geworden.

Wieso ist PFC schädlich?

PFC klingt im ersten Moment super praktisch, ist aber alles andere als umweltfreundlich. Zum einen, weil dieser Stoff nicht biologisch abbaubar ist und weil er von Experten als gesundheitsschädlich eingestuft wird.

Schädliche Chemikalien werden bereits bei der Herstellung freigesetzt, gelangen später durch Abrieb oder durch Waschvorgänge in die Umwelt und landen letztendlich durch unsere Nahrung und das Trinkwasser auch in unseren Körpern. Sie können nicht mehr biologisch abgebaut werden und bleiben ewig in der Natur. Man spricht daher auch von der sogenannten Ewigchemie, den #foreverchemicals.

Im Outdoorbereich werden häufig Materialien mit Membranen aus PTFE verwendet, welches zur Gruppe der PFC gehört. Bei der Herstellung von PTFE werden sowohl PFC verwendet, als auch freigesetzt. Die Membran hält das Wasser ab und sorgt dafür, dass der Stoff die erwartete Leistung bringt. Hersteller, die sich auf PTFE-basierten Membranen spezialisiert haben, gibt es einige – im Laden werdet ihr häufig die bekannte Membran von Goretex finden.

Welche nachhaltigen Alternativen gibt es?

PFC finden wir vor allem in den Obermaterialien der Outdoor Bekleidung, besonders bei Regenjacken sorgt eine PFC-haltige Imprägnierung dafür, dass das Material wasserabweisend ist. Eine giftige Imprägnierung mit umweltschädlichen Chemikalien ist jedoch nicht nötig, um eine Jacke wasserabweisend zu machen. Mittlerweile gibt es Hersteller, die eigene, nachhaltige Alternativen entwickelt haben.

Mehrlagiges Laminat von Sympatex

Mehrlagiges Sympatex Laminat. In der Mitte ist die Membran, darüber die Oberschicht, ganz unten das Futter. © Sympatex Technologies GmbH

Eine dieser Alternativen ist die Sympatex-Membran. Diese kommt ganz ohne das schädliche PFC aus und besteht stattdessen aus Polyetherester. Das klingt kompliziert, beschreibt aber einen Verbund aus Polyester und Polyether. Dabei handelt es sich auch um einen künstlich hergestellten Stoff, der aber im Gegensatz zu PFC gesundheitlich unbedenklich und recycelbar ist. Die Membran ist nach Oeko-TEX Standards zertifiziert und der Hersteller Sympatex trägt unter anderem das Bluesign Label. Das macht Sympatex zu einer nachhaltigen und umweltfreundlichen Alternative.

Wie funktioniert die Sympatex-Membran?

Anders als andere Membranen hat die von Sympatex keine Poren. Kommt ihr ins Schwitzen, dann steigt die Temperatur unter der Membran und die Feuchtigkeit wird über die hydrophile Komponente nach außen transportiert, wo sie dann verdunstet. Am besten funktioniert dieses Prinzip, wenn die Temperatur unter der Membran (=körperzugewandte Seite) höher ist als die Außentemperatur, sodass die Feuchtigkeit am besten abgeleitet werden kann. So wird die Atmungsaktivität gewährleistet, während Flüssigkeit von außen nach wie vor abgehalten wird. Kurz gesagt: je mehr man schwitzt, umso atmungsaktiver wird die Membran.

Sympatex Membran atmet

Die Sympatex Membran „atmet“ dynamisch, d.h. je höher die körperliche Aktivität, desto effizienter arbeitet sie. So bleibt der Körper auch in Extremsituationen immer warm und trocken. © Sympatex Technologies GmbH

Die Vorteile der Sympatex-Membran

Damit eine Membran in Outdoor-Bekleidung verarbeitet werden kann und damit sie dort ihre Leistung entfalten kann, wird sie im Verbund mit einem Trägermaterial verarbeitet. Das kann beispielsweise ein gewebter Stoff, ein Vlies oder Leder sein. Die Kombination von Membran und einem anderen Stoff nennt man Laminat. Dieses kann auch in mehreren Lagen verarbeitet werden.

Da eine Jacke bei einer anspruchsvollen Bergtour robuster sein soll, als eine die für einen Stadtspaziergang eingesetzt wird, gibt es Laminate mit einer unterschiedlichen Anzahl an Lagen. Sympatex bietet verschiedene Laminate mit mehreren Lagen an, je nachdem ob der Hersteller Wanderschuhe, eine dünne und leichte Regenjacke oder ein dickes und robustes Wintermodell fertigen möchte.

Diese nachhaltigen Marken verwenden die Sympatex-Membran

Wenn ihr im Laden nach einer Regenjacke oder nach Wanderschuhen sucht, die die Sympatex Membran verwenden, dann sollte das auf den verarbeiteten Etiketten stehen. Es empfiehlt sich jedoch auch immer aktiv im Laden nachzufragen. Geschulte Berater können euch bei der Suche nach einem umweltfreundlichen und nachhaltigen Produkt bestimmt behilflich sein und ersparen euch langes, verzweifeltes Suchen. Auch auf der Website von Sympatex findet ihr ein paar ausgewählte Brand-Partner. Damit es euch leichter fällt, die nachhaltigen Hersteller zu finden, habe ich hier ein paar Beispiele für euch:

  • Vaude hat ein breites Sortiment an Wanderschuhen.
  • Bei Bleed findet ihr nachhaltig verarbeitete Regenjacken.
  • Wenn ihr Schuhe für eure Kinder sucht, dann werdet ihr bei Lurchi fündig.

Diese und noch eine Reihe weiterer Hersteller vertrauen bereits auf die Sympatex-Membran.

Kreislaufwirtschaft in der Textilindustrie

Der Kreislaufzyklus einer nachhaltigen Textilherstellung © Sympatex Technologies GmbH

Was bedeuten die Siegel und Zertifikate?

Mittlerweile ist der Markt voll mit Umweltsiegeln in allen Farben und Formen. Doch für uns Käufer ist es gar nicht so einfach zu erkennen, ob diese Siegel zum einen wirklich etwas zu sagen haben, oder wie nachhaltig ein solches Siegel wirklich ist. Deswegen möchte ich kurz etwas zu den beiden Siegeln schreiben, die auch Sympatex auszeichnen.

Bluesign

Bluesign ist ein ganzheitliches Siegel, das die komplette Produktionskette von der Fertigung bis zum Endprodukt beobachtet und die produzierenden Unternehmen dabei berät, was sie besser machen können. Hierbei agiert Bluesign als unabhängige Instanz und überwacht den kompletten Produktionsvorgang. Dieses Label zeigt also, dass ein Produkt nachhaltig und ohne Ausbeutung hergestellt wird.

OEKO-Tex

OEKO-Tex ist in dem Sinne kein klassisches Label, sondern eine Zertifizierung. Die Firma entwickelt Prüfmethoden und Grenzwerte für die Textil- und Lederindustrie. Hierbei geht es hauptsächlich darum, welche Chemikalien in welchen Mengen in den jeweiligen Textilien vorhanden sind. Hat ein Produkt ein OEKO-Tex Label, könnt ihr daran erkennen, dass bei den verwendeten Materialien auf diese Grenzwerte geachtet wurde, sodass sie weniger schädlich für Mensch und Umwelt sind als Materialien ohne dieses Siegel.

nachhaltige Outdoor Bekleidung verändert die Zukunft

Durch den Kauf von nachhaltiger Outdoor-Bekleidung kann man wirklich etwas bewirken – it’s in your hands!

Das solltet ihr beim Kauf einer nachhaltigen Regenjacke beachten

Bei Outdoorjacken steht die Funktion natürlich an erster Stelle. Denn was hilft es, wenn ihr viel Geld für eine Jacke ausgegeben habt, diese dann aber nicht dichthält? Damit ihr beim Kauf nicht enttäuscht werdet, achtet dabei auf folgende Punkte:

Die Wassersäule

Mit der Wassersäule wird die Dichtigkeit eines Materials bestimmt. Um diesen Wert zu ermitteln wird ein Zylinder mit 10 cm Durchmesser auf eine Materialprobe gestellt und dieser Zylinder wird anschließend mit Wasser befüllt. Die Wassersäule gibt an, nach welcher Füllhöhe die ersten Wassertropfen nach 24 Stunden durch den Stoff dringen. Dieser Wert wird in Millimetern angegeben. Eine Membran gilt dann als wasserdicht, wenn sie einer Wassersäule von mindestens 1.300 standhält.

Die Sympatex-Membran hat beispielsweise eine Wassersäule von >45.000 mm und gilt deswegen als extrem wasserdicht. Es gibt natürlich auch Hersteller, die mit einer noch höheren Wassersäule werben. Tatsächlich ist es aber so, dass auch eine niedrigere Wassersäule für den Einsatz im Regen ausreicht und dass Produkte mit höheren Angaben häufig weniger nachhaltig sind. Hier solltet ihr euch also genau informieren, wie nachhaltig eure Wunschjacke wirklich ist.

Die Verarbeitung

Achtet beim Kauf vor allem auf die Verarbeitung. Sind Reißverschlüsse abgeklebt, sodass kein Wasser durchdringen kann? Sind Nähte so gesetzt, dass sie nichts durchlassen? Bereits die Art und Weise, wie die Jacke verarbeitet wurde, kann darüber entscheiden, ob später Wasser durchkommt oder nicht. Achtet also wie oben beschrieben auf Reißverschlüsse und Nähte und untersucht die Jacke nach weiteren Schwachstellen, an denen Wasser durchdringen könnte.

wald mit frischem Gras

Bei Wanderungen oder anderen Outdoor-Aktivitäten ist eine gute Jacke Gold wert.

Recycling-Fasern

Ein Großteil der Funktionskleidung auf dem Markt besteht aus Polyester. Diese Fasern werden oft aus Mineralöl hergestellt, brauchen viel Energie bei der Produktion und sind nicht ökologisch abbaubar. Nachhaltiger ist es, wenn Recycling-Fasern bei der Herstellung verwendet werden.

Recyceltes Polyester wird zum einen aus alter Kleidung gewonnen, indem die Fasern daraus weiter- bzw. wiederverarbeitet werden. Gleichzeitig besteht die Möglichkeit, PET-Flaschen zu recyceln, um daraus Polyester für die Neuproduktion zu gewinnen. So sparen die Hersteller ca. 32% CO2 bei der Produktion ein, außerdem sparen sie dadurch ca. 60% an Energie und 94% Wasser im Vergleich zur Herstellung von Polyester aus Rohöl. Wie hoch der Anteil an Recycling-Polyester ist, seht ihr im Etikett des Produkts oder ihr informiert euch darüber direkt beim Hersteller.

Recyclebare Produkte wählen

Noch besser ist es, wenn für die Herstellung dieser Kleidung keine neuen Rohstoffe verbraucht werden, sondern wenn die Jacke aus bereits bestehenden Materialien hergestellt wird. Deswegen haben Hersteller wie beispielsweise Vaude oder Klättermusen ein System entwickelt, bei dem das benötigte Nylon zu einem Großteil aus PET-Flaschen hergestellt wird. Ein weiterer Teil des benötigten Stoffes wird aus Schnittabfällen gewonnen. So werden weniger neue Rohstoffe verbraucht und bereits existierende Stoffe finden eine neue Verwendung. Darüber hinaus bieten einige Marken auch einen Rückgabe-Service an: Wenn eure Jacke ausgedient hat, könnt ihr sie an den Hersteller zurücksenden, anstatt sie zu entsorgen. Dieser stellt dann neue Outdoor-Bekleidung daraus her.

Umwelt schützen durch nachhaltige Outdoor Bekleidung

Wer das Ökosystem bewahren möchte, sollte auf nachhaltige Kleidung setzen – der Natur zuliebe.

Was passiert mit der Outdoor-Kleidung im Schrank?

Ihr habt eine Regenjacke im Schrank, die nicht mehr dicht ist? Mit der Zeit nutzt sich die Beschichtung ab und irgendwann dringt die Feuchtigkeit dann durch. Doch das ist noch kein Grund, die Jacke zu entsorgen. Durch eine Imprägnierung macht ihr eure Jacke wieder fit für raues Wetter. Am besten funktionieren Einwasch-Imprägnierungen, die ihr entweder mit der Waschmaschine oder per Handwäsche auftragen könnt. Die Imprägnierung dichtet die Stellen ab, die über die Zeit schwächer geworden sind, sodass ihr die Jacke weiterverwenden könnt. Mittlerweile setzen viele Hersteller (z.B. Nikwax) von Imprägniermitteln auch auf biologisch abbaubare Inhaltsstoffe, sodass dieser Vorgang ökologisch nachhaltiger ist.

Sollte eure Jacke beschädigt sein, dann informiert euch beim Hersteller darüber, ob dieser einen Reparaturservice anbietet. Häufig könnt ihr eure Jacke einsenden und bekommt sie perfekt repariert wieder zugeschickt. So verlängert ihr die Lebenszeit eurer Regenjacke und spart Geld und Ressourcen, die ein Neukauf benötigt.

Fazit zur nachhaltigen Outdoor-Bekleidung

Der Dschungel auf dem Bekleidungsmarkt mag nicht immer leicht zu durchschauen sein. Trotzdem konnte ich euch in diesem Artikel ein paar Anhaltspunkte zeigen, die euch bei der Wahl einer nachhaltigen Regenjacke helfen und euch etwas besser auf nachhaltige Outdoor-Bekleidung blicken lassen. Wenn ihr mehr über das Thema Nachhaltigkeit lesen möchtet, dann seht euch meinen Artikel über Nachhaltigkeit im Alltag an.

Habt ihr euch bereits mit nachhaltigen Alternativen auseinandergesetzt oder habt ihr noch Tipps für mich und die anderen Leser? Dann schreibt mir gerne einen Kommentar!

Offenlegung: Dieser Artikel entstand in freundlicher Zusammenarbeit mit der Sympatex Technologies GmbH. Dafür habe ich ein Honorar erhalten, meine Meinung zum Thema beeinflusst dies aber nicht.

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