Vorbereitungen für die große Radtour auf gefrorenem Boden

Slider Tegernsee Klamm

Anfang 2017 haben Thomas und ich beschlossen, zusammen eine zweimonatige Rad-Tour von München nach Tarifa (Spanien) zu unternehmen. Ich als absoluter Büro-Hocker habe mich natürlich gefragt, wie ich zwei Monate am Stück im Sattel sitzen soll. Nicht nur muss sich erst einmal der Hintern einfahren, ich hatte zu diesem Zeitpunkt noch gar keine Ahnung, ob ich das überhaupt aushalte, jeden Tag weite strecken auf dem Rad abzusitzen. Je mehr ich darüber nachdachte, umso mehr reizte mich dieses Abenteuer auch. Um herauszufinden, wie mir das Radeln liegt, geht es erst einmal zum Tegernsee.

Eine weitere Herausforderung für eine längere Rad-Reise ist natürlich auch die Ausrüstung. Welche Regenjacke braucht man? Welchen Schlafsack? Luftmatratze? Camping-Geschirr? Nach gefühlt ewigen Recherchen im Internet und einer ausgiebigen Beratung von Thomas hatte ich endlich die Ausrüstung parat. Ob das Ganze auch einen guten Dienst erweist, wollten wir natürlich so schnell wie möglich ausprobieren. Es war bereits März, als der Schnee größtenteils geschmolzen war und im April sollte die große Reise schon los gehen – ein enges Zeitfenster, um alles zu testen und zur Not anzupassen.

Ziel der kleinen Test-Strecke war ein Campingplatz am Tegernsee. Hier ging es weniger um schöne Ausblicke und Genussmomente – klar ist es immer wieder toll am Tegernsee – hauptsächlich wollten wir eine längere Strecke fahren, vor Ort zelten und am nächsten Tag dann noch ein paar Kilometer zurück legen. Ich bin nämlich auch noch nie in meinem Leben zum einen 60 km an einem Tag gefahren und zum anderen dann noch am nächsten Tag auch nochmal im Sattel gesessen.

Für Thomas war das alles kein Problem. Vor ein paar Jahren ist er mit seinem Rad von München aus quer durch China bis ans Meer geradelt. Unterwegs war er dafür fast ein Jahr und nach dieser Reise ist unser zweimonatiger Spanien-Trip wie Urlaub für ihn.

Das ist es zwar teilweise für mich auch, allerdings kam bei mir noch der Punkt der persönlichen Herausforderung hinzu. Wie schon erwähnt hatte ich keine Erfahrung mit Radreisen und obwohl ich schon seit ein paar Monaten mit dem Krav Maga Training begonnen hatte, kam ich mir auch nur durchschnittlich fit vor.

Bach in der Nähe vom Tegernsee

Auf das Rad und los zum Tegernsee

Also rein in die gepolsterten Radlerhosen und los geht’s! Wir verlassen München Richtung Süden und folgen der B13 weiter. Die Fahrt an sich ist relativ ereignislos, wir befinden uns auf der Landstraße und teilen uns diese mit vielen Autofahrern. Mit dem Fahrrad stehen wir allerdings nicht im Stau, sondern fahren einfach daran vorbei. Direkt am See erreichen wir Gmund am Tegernsee und folgen dem Ost-Ufer weiter bis ans Südende, wo wir den Campingplatz ansteuern.

Allmählich wird es spät und gleichzeitig wieder kühler. Tagsüber hatten wir angenehme 10 Grad, mittlerweile nähern sich die Temperaturen aber dem Nullpunkt. Der Campingplatz hat um die Zeit eigentlich schon geschlossen, aber der Wirt meint, wir können unser Zelt aufschlagen und am nächsten Tag zahlen. So ganz glauben, dass wir zelten wollen, will er uns das ja anfangs nicht …

Der Campingplatz ist um die Zeit noch eher spärlich besucht. Nur ab und zu sieht man ein paar ältere Herrschaften, die sich in der Nähe ihrer Wohnmobile aufhalten. Wir haben unser Zelt aufgebaut und ziehen alles an, was wir dabei haben. Die Temperaturen liegen nachts bei ca. -5 Grad. Mittlerweile bin ich doch ganz froh, dass ich etwas mehr Geld für eine ThermaRest-Matte ausgegeben habe, vom Boden her kommt kein Bisschen Kälte hoch. Solange man tief im Schlafsack vergraben bleibt, fühlt es sich auch ok an.

Blick über die Berge vom Tegernsee

Kalte Nacht im Abenteuer-Format

Schlafen ist mit brennenden Oberschenkeln auch etwas schwierig, geht dann aber doch irgendwann. Nach dieser etwas durchwachsenen Nacht wollen wir kurz frühstücken und dann wieder aufbrechen. Wir decken das Zelt ab, damit die Plane trocknen kann und essen das Brot, das wir mitgebracht haben. Ein Dauercamper, der unserem Zelt gegenüber parkt, lädt uns in sein mobiles Heim auf eine Tasse Kaffee ein. Die Einladung nehmen wir sehr gerne an, mit dem Kaffee können wir uns wieder etwas aufwärmen.

Mittlerweile ist auch die Zeltplane frei von Kondenswasser und wir packen alles zusammen. Am Ausgang wollen wir noch bezahlen und der Herr an der Kasse lacht uns schon freudig an, als er hört, dass wir die Zeltler sind. Er dachte noch, dass sich der Wirt einen Spaß erlauben wollte, als er von uns erzählt bekommen hatte, immerhin stehen Zelte nur zur Hauptsaison auf dem Plan. Das Ganze kostet für uns zusammen mit Zelt nur 10€, danach geht es weiter nach Lenggries.

Ich merke schon, wie mein Hintern doch ordentlich weh tut und hoffe, dass es sich legt, wenn man erst mal fährt. Nicht ganz schmerzfrei fahren wir weiter und wollen dann von Lenggries aus den Zug zurück in die Stadt nehmen. Hier finden wir noch ein kleines Café neben dem Bahnhof, in dem tatsächlich Rohrnudeln und ein Scheiterhaufen angeboten wird – ganz wie damals bei meiner Oma!

Zugefrorener See mit Bergen

Fazit

Die Strecke zum Tegernsee ist angenehm flach und lässt sich dementsprechend gut fahren. Da man allerdings größtenteils auf der Landstraße unterwegs ist, hat man viel Verkehr und Abgase um sich herum. Die Sicht auf die größer werdenden Berge lohnt sich aber dennoch.

Mit meiner Ausrüstung (Schlafsack, Matte, gepolsterte Radlerhose) bin ich sehr zufrieden, nur der Sattel stellt einen Knackpunkt dar. Wenn die Knochen anfangen zu schmerzen, macht das Radeln auch keinen Spaß mehr. Vor allem längere Strecken würden so zur Tortur werden. Um auf dem Spanien-Trip besser gewappnet zu sein, steige ich kurzfristig noch auf einen Ledersattel um. Der ist schön hart und damit habe ich dann tatsächlich keine Probleme.

Die Nacht war schon ordentlich kalt, was man im Schlafsack aushalten konnte. Für mich hat es das Abenteuer-Feeling verstärkt und die Schmerzen im Hintern waren dann auch nach kurzer Zeit wieder weg, man kann sich also doch ein wenig dran gewöhnen.

Auf den Geschmack gekommen? Hier findest du den ersten Beitrag zu unserer Radtour nach Spanien.

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