Den Bergen ganz nah – Eine Wanderung durch das Kaisertal

Die Tage mit schönem Wetter sind im viel zu langen Winter eher spärlich gesät. Wir haben zwischen Weihnachten und Silvester einen davon erwischt und sind zu einer Wanderung im Schnee nach Kufstein (Österreich) in das Kaisertal aufgebrochen.

Wie sind wir drauf gekommen? Jeder, der schon einmal mit dem Zug an einem schönen Tag zum Tegernsee oder nach Garmisch gefahren ist, kennt die über-vollen Züge und wie unangenehm es ist, zwischen anderen Menschen eingeklemmt zu sein und am besten noch von jemandem die Haare im Gesicht zu haben. Kufstein erschien uns als etwas unbekannteres Ausflugsziel und so wollen wir eine einfache Tour durch das Kaisertal ausprobieren.

Randdaten

  • Entfernung: 8-10 km
  • Schwierigkeit: Leicht, Aufstieg etwas fordernder
  • Highlights: Berge und Wirtshäuser
  • Ausrüstung: Warme Wanderklamotten, feste Schuhe

Aufbruch in die Berge nach Österreich

Warm eingepackt und mit den schweren Wanderschuhen an den Füßen stapfen wir zum Münchner Hauptbahnhof. Hier erleben wir gleich die erste positive Überraschung. Der Bahnsteig ist zwar voll, aber nicht für unseren Zug! Viele Wanderer und Skifahrer warten auf die Bahn zum Tegernsee, die gleich gegenüber startet. Nach Kufstein können wir auch mit dem Bayernticket fahren und bekommen ohne Probleme einen Sitzplatz. Nach etwas mehr als einer Stunde sind wir auch schon in Kufstein angekommen. Die Sonne scheint zum Fenster rein und wir freuen uns schon, im Schnee zu wandern.

Zum Ausgangspunkt des Wanderweges gelangt man vom Bahnhof in Kufstein aus entweder per Bus oder zu Fuß. Wir entscheiden uns für letztere Variante, da der Bus auch eine Weile braucht und so spazieren wir erst mal über den idyllischen Marktplatz und an einer kleinen Skipiste vorbei. Nach ca. 30 Minuten kommen wir schließlich am Aufstiegspunkt an.

Zuerst geht es ca. 280 Stufen hoch, über die man gute 200 Meter höher steigt. Diese sind mit plattgetretenem Schnee bedeckt und man muss aufpassen, wohin man tritt, da es teilweise schon rutschig sein kann. Wir sind jetzt schon gespannt, wie der Rückweg wird. Nach den Stufen gibt es einen etwas steileren Anstieg, den man aber rasch gemeistert hat und danach wird es auch schnell wieder flach und bleibt es dann auch. Je nachdem ob man sich selber zu den Bergsteigern zählt oder eher nicht, kann man danach auf gleicher Höhe weiter marschieren oder auch tiefer in die Berge hinein abbiegen.

Blick über die Stadt Kufstein

Die Klänge der Heldenorgel

Wir gehen auf der Geraden weiter und haben hier noch die Möglichkeit, durch den bewaldeten Hang einen Blick auf Kufstein zu werfen. Solange man noch in der Nähe ist, kann man täglich um 12:00 Uhr das Glockenspiel auf der Orgel in der Burg Kufstein hören. Mit 4.948 Pfeifen ist diese die größte Freiorgel der Welt. Es ist ziemlich schön, dass man das Glockenspiel auch noch auf diese Entfernung hören kann und dafür kann man schon mal ein paar Minuten stehen bleiben.

Das Wetter bleibt den ganzen Tag wunderschön, die Sonne wirft ihr warmes Licht auf den Schnee, der allmählich etwas an schmilzt. Im Schatten der Bäume reflektiert es leicht bläulich, was einen super Kontrast darstellt. Der Wanderweg ist ganzjährig befestigt, man geht hier auf festem Schnee und an den Stellen, wo er schon geschmolzen ist, auf Asphalt. Das macht es mehr zu einem Spaziergang. Wir passieren mehrere Gasthöfe, wie den Zottenhof, den Veitenhof und schließlich den Pfandlhof. Alle drei haben beschriebene Tafeln mit den aktuellen Schmankerl vor den Türen stehen und wir werden auf dem Rückweg definitiv einkehren.

Wandern im Kaisertal mit Bergen

Eine kleine Kapelle im Kaisertal

Zunächst geht es aber weiter. Wir halten uns an einer Gabelung links und erreichen nach kurzer Zeit die Antonius-Kapelle. Diese wurde im Jahre 711 aus Dankbarkeit der Bauern errichtet, da die französischen Truppen ihre Häuser im Bayerischen Erbfolgekrieg unbeschadet gelassen haben.

Hier gibt es draußen auch ein paar Bänke, auf denen man kurz verschnaufen kann. Kurz darauf kommt auch schon der Hinterkaiserhof, welcher der älteste  Gasthof mit ganzjähriger Bewirtung im Kaisertal ist. Ab hier hat man auch einen grandiosen Blick auf die Berge und man fühlt sich den Felsgiganten unwahrscheinlich nahe.

Wir gehen noch ein Stück den Berg hinauf, bis wir einen noch besseren Blick erwischen, anschließend kehren wir wieder um folgen dem gleichen Weg, den wir gekommen sind. Auf dem Rückweg gibt’s im Pfandlhof erst mal einen Germknödel. Für Thomas mit brauner Butter (schmeckt richtig richtig gut!!) und für mich mit Vanillesoße, was auch super ist, aber das kennt man ja schon von daheim.

Die Antoniuskapelle im Kaisertal

Trittsicherheit und ein langsamer Abstieg

Auf dem Rückweg die Stufen hinunter ist nochmal Vorsicht geboten. Der Schnee ist mittlerweile an geschmolzen und wieder gefroren, was eine glatte Eisschicht bildet. Wir rutschen die Treppe mehr runter, als dass wir gehen. Das Metallgeländer am Rande des Weges hilft uns aber, nicht hinzufallen. Wenn man Probleme damit hat, das Gleichgewicht zu halten oder nicht so gut zu Fuß ist, kann man hier schon mal Probleme bekommen. Wir haben auch Wanderer mit Steigeisen gesehen, damit geht es natürlich besser. Das Eisen ist zwar für den Rest des Weges nicht notwendig, den Abstieg würde es aber deutlich sicherer machen und wenn man schon mal eins dabei hat, dann würde sich ein Abstecher tiefer in die Berge auch gleich lohnen.

Am Ausgangspunkt der Wanderung angekommen, wollen wir den Bus zurück in die Stadt nehmen. Hier werden wir auch von der Freundlichkeit der Österreicher überrascht. Ein anderer Wanderer bietet uns prompt an, uns mit dem Auto mitzunehmen, leider fährt er aber in die andere Richtung.

Kufstein ist ein hübsches Städtchen mit einer kleinen und historischen Altstadt. Die engen Gassen sind geschmückt und in der Dämmerung hier und da beleuchtet. Insgesamt kommt ein heimeliges Gefühl auf, das von den freundlichen Einheimischen noch mehr unterstrichen wird. Auch auf dem Weg zum Bahnhof werden wir einfach so von Unbekannten gegrüßt. Das erinnert uns an das Landleben und ist doch so anders als in einer Stadt wie München.

Der wilde Kaiser

Fazit

Die Wanderung von Kufstein aus hat sich von Anfang an als positive Überraschung herausgestellt. Bereits am Bahnhof ist nicht viel los, was die Ankunft angenehm macht. Die Route selber ist sehr leicht und die Treppen am Anfang bieten auch die nötige Prise Abenteuer. Es lohnt sich auf jeden Fall in einen der Gasthöfe einzukehren. Diese bieten Schmankerl teilweise aus eigener Herstellung an und das sollte man auf jeden Fall probieren.

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